Schnee auf dem Kilimandscharo – E. Hemingway

14. September 2016

Ernest Hemingway, einer der bedeutendsten Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts, wurde nicht nur durch Der alte Mann und das Meer oder Wem die Stunde schlägt bekannt, sondern auch wegen seiner großartigen Kurzgeschichten. Zehn dieser Kurzgeschichten, unter anderem der Namensgeber Schnee auf dem Kilimandscharo, sind in diesem Buch in neuer Übersetzung gesammelt.

und er sah, weit wie die ganze Welt, riesenhaft und hoch und unglaublich weiß in der Sonne, den breiten Gipfel des Kilimandscharo. Und dann wusste er, das war der Ort an den er ging. – S. 42

Die Kurzgeschichten
  1. Schnee auf dem Kilimandscharo
  2. Ein sauberes, gut beleuchtetes Café
  3. Ein Tag Warten
  4. Der Spieler, die Nonne und das Radio
  5. Väter und Söhne
  6. In einem anderen Land
  7. Die Killer
  8. Wie du niemals sein wirst
  9. Fünfzigtausend
  10. Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber

Hemingways Kurzgeschichten sind nach der Manier geschrieben, dass nur – einem Eisberg gleich – zehn Prozent der Geschichte offensichtlich sein sollten. Hemingway deutet an und überlässt den Rest der Phantasie seiner Leser. Dieser webt seine eigenen Erfahrungen in die Geschichte ein und gestaltet so den Text aktiv mit. Das wird durch den reduzierten Stil Hemingways unterstützt. Der Autor schreibt nüchtern, klar und ohne Ausschmückungen. Werner Schmitz Übersetzung passt sich dieser Schlichtheit in einem fließenden, wohl klingendem Deutsch wunderbar an.

Die Kurzgeschichten wirken wie aus einer anderen Zeit gegriffen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts geschrieben wurden. Hemingways Helden, die ausschließlich männlich sind, folgen einem aus heutiger Sicht vollkommen veralteten Männlichkeitsbild. Andeutungen von Ehen, die durch Geld und Schönheit zusammenhalten, spiegeln Hemingways Kulturpessimismus wider. Mit Die Killer, Wie du niemals sein wirst und Väter und Söhne befinden sich drei der Nick-Adams-Stories in diesem Band, die chronologisch geordnet das Leben und die Entwicklung des Protagonisten Nick Adams beschreiben.

„Wir zwei sind verschieden“, sagte der ältere Kellner. Er war jetzt für den Heimweg angezogen. „Das ist nicht nur eine Frage der Jugend und des Vertrauens, auch wenn das sehr schöne Dinge sind. Ich mache jeden Abend nur sehr ungern zu, weil doch noch jemand kommen könnte, der das Café nötig hat.“

Hemingway entführt seine Leser in eine andere Welt, die heute kaum mehr vorstellbar ist und besticht dabei durch Tiefgründigkeit und gleichzeitiger Kurzweiligkeit. Jede Kurzgeschichte hat mich auf die eine oder andere Weise in ihren Bann gezogen – sei es durch einen bis ins Innerste verwundeten Protagonisten, eine mitreißende Handlung oder einen außergewöhnlichen Aufbau. Und lassen mich zurück mit dem Wunsch nach mehr: mehr Hemingway und mehr Kurzgeschichten.

Details zum Buch

Schnee auf dem Kilimandscharo – Ernest Hemingway
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsdatum: 26.06.2015
Übersetzer: Werner Schmitz
ISBN: 978-3-498-03018-6
Seiten: 224

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5 comments

Die Vorleser 17. September 2016 at 20:48

Liebe Cora,
ich bin ein großer Hemingway-Fan. Schnee auf dem Kilimandscharo hat mir auch gut gefallen, aber mein absoluter Liebling ist Fiesta.
Liebe Grüße von Gisela von den Vorlesern

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MissK 18. September 2016 at 12:34

Ich bin gerade zufällig auf deinen Blog gekommen und dein Header hat mir sofort sooo gut gefallen. Und die Fotos zu den Posts sind auch toll. Ich liebe Bücher und lesen und suche immer nach Empfehlungen für neue Bücher. Bin gespannt was du in nächster Zeit noch so liest.

Viele Grüße!

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Cora 18. September 2016 at 17:19

Wie schön! Fiesta möchte ich jetzt auch unbedingt lesen 🙂

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Cora 18. September 2016 at 17:19

Das freut mich sehr 🙂

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Meine liebsten Bücher 2016 | Jahresrückblick – Wortkulisse 4. März 2017 at 14:16

[…] möchte es euch allen ans Herz legen. Mich hat es sehr beeinflusst und lange nachdenklich gemacht. Schnee auf dem Kilimandscharo. Storys – Ernest Hemingway Hemingway entführt seine Leser in eine andere Welt, die heute kaum mehr vorstellbar ist und […]

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