Du sagst es – Connie Palmen

11. Oktober 2016 0 comment

Am 11. Februar 1963 begeht Sylvia Plath – Autorin des Romans Die Glasglocke – Selbstmord, indem sie ihren Kopf auf ein Tuch in den Herd legt und den Gashahn aufdreht. Während sie kurz darauf zur Ikone der Londoner Literaten ernannt und als Märtyrerin gefeiert wird, ist der Schuldige ebenso schnell gefunden: Ted Hughes. Doch der Autor schweigt bis zu seinem eigenen Tod. Nun greift Connie Palmen in ihrer fiktiven Autobiographie aus der Sicht von Ted Hughes eine der bekanntesten und wohl anrüchigsten Liebesgeschichten der modernen Literatur auf und rückt sie in ein neues Licht.

Wer eine Liebe so beginnt, sollte wissen, dass sich im Herzen dieser Liebe Gewalt und Zerstörung verbergen. Bis auf den Tod. – S. 8

Am 11. Februar 1963 begeht Sylvia Plath – Autorin des Romans Die Glasglocke – Selbstmord, indem sie ihren Kopf auf ein Tuch in den Herd legt und den Gashahn aufdreht. Während sie kurz darauf zur Ikone der Londoner Literaten ernannt und als Märtyrerin gefeiert wird, ist der Schuldige ebenso schnell gefunden: Ted Hughes. Doch der Autor schweigt bis zu seinem eigenen Tod. Nun greift Connie Palmen in ihrer fiktiven Autobiographie aus der Sicht von Ted Hughes eine der bekanntesten und wohl anrüchigsten Liebesgeschichten der modernen Literatur auf und rückt sie in ein neues Licht.

Sieben Jahre waren Ted Hughes und Sylvia Plath ein Ehepaar. Sieben Jahre durchlebten sie in unzähligen Höhen und Tiefen eine rauschhafte Liebe, die durch Leidenschaft, Eifersucht, Hass, Vertrauen und Misstrauen geprägt war. Diesen sieben Jahren wendet sich Connie Palmen zu, erzählt sie erstmals aus der Sicht des 1998 verstorbenen Ted Hughes und rückt die Liebe, aber vor allem Sylvia Plath ins Zentrum des Romans. Als sie sich 1956 zum ersten Mal begegnen und ineinander verlieben, streben beide nach einer Karriere als Schriftsteller. Doch während Ted Hughes die Worte an jedem Ort leicht von der Hand gehen, quält sich Sylvia Plath, getrieben von einem lähmenden Ehrgeiz und dem Willen, berühmt zu werden. Für Hughes ist sie eine Göttin, gefangen unter ihrer eigenen Glasglocke und gefoltert durch ihre Dämonen, die er bekämpfen muss, um seine Frau und ihr wahres „Ich“ befreien zu können. Doch dabei stoßen beide an ihre Grenzen.

Während der ganzen Fahrt erinnerten sich die Hände, die ich ums Lenkrad klammerte, an die Schmetterlingsflügel ihrer Schulterblätter, zart wie die eines Kindes, und ich gab das Kind – das achtjährige Mädchen, das für seinen sterbenden Vater tanzte, um ihn mit diesem Liebesbeweis am Leben zu erhalten – dem Ozean zurück. – S. 232

Connie Palmen lässt in Du sagst es einen Menschen zu Wort kommen, der zu seinen Lebzeiten geschwiegen hat, sie erfindet Dialoge und Gedanken, freilich gut recherchiert und füllt küchenpsychologisch und pathetisch anmutend bestehende Lücken. Ich hatte vor allem zu Beginn des Romans große Schwierigkeiten mit der Ich-Perspektive Hughes und musste mich immer wieder daran erinnern, dass er es ist und nicht Palmen, die zu mir spricht. Das Buch ist nicht in Kapitel, sondern einzelne Episoden geteilt, und entwickelt nur wenig Spannung. Dadurch plätschert die Handlung in weiten Teilen des Romans vor sich hin und bekommt keine mitreißende Dynamik. Nichtsdestotrotz schafft Connie Palmen in meinen Augen etwas Großartiges, indem sie die Liebe von Sylvia Plath und Ted Hughes frei von Kitsch beschreibt und in mir den unbedingten Wunsch geweckt hat, Die Glasglocke zu lesen.

 

Mit der fiktiven Autobiographie Du sagst es wendet sich Connie Palmen einem Ehepaar, das sich leidenschaftlich geliebt und gehasst, angespornt und erstickt, bewahrt und schlussendlich zerstört hat, aus einer neuen Perspektive und mit einigen Schwächen und Stärken zu. Jeder, der eine detailreiche Biographie erwartet, wird das Buch enttäuscht zur Seite legen. Es ist ein interessanter und unterhaltender Roman, genährt durch seriöse Quellen, aber auch durch die Fantasie der Autorin selbst.

 

Du sagst es – Connie Palmen

Verlag: Diogenes Verlag
Erscheinungsdatum: 01.09.2016
Übersetzer: Hanni Ehlers
ISBN: 978-3-257-06974-7
Seiten: 288

Das könnte dir auch gefallen

Leave a Comment

*