Als Hemingway mich liebte – Naomi Wood

17. Oktober 2016 1 comment

Vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, vier Schicksale, die durch einen Mann miteinander verwoben werden. Ernest Hemingway. Er wird geliebt für seine Romane, geliebt für seine Kurzgeschichten, seinen kargen Schreibstil. Und er hat geliebt und wurde geliebt. Mit vier Ehefrauen und unzähligen weiteren teilte er sein Leben. Diesen Frauen – Hadley, Fife, Martha und Mary – wendet sich Naomi Wood in ihrem Roman Als Hemingway mich liebte zu.

Als Hemingway seine erste Frau Hadley 1921 heiratet, ist er zweiundzwanzig Jahre alt. Sechs Jahre später lässt sich das Ehepaar scheiden, denn Hemingway ist verliebt. In Hadleys beste Freundin Fife. Und so wie die Schicksale dieser beiden Frauen miteinander verbunden sind, sind es auch die der nachfolgenden Ehefrauen Martha und Mary. Beruhend auf Briefen und anderen Quellen erweckt die junge Autorin die ausgelassenen goldenen Zwanziger, die Kriegsjahre in den Zeiten des dritten Reiches, den Frieden danach und rekonstruiert – freilich fiktiv – vor diesem Hintergrund die Schicksale der vier Ehefrauen und skizziert Hemingway als charismatischen und scharfkantigen Charakter.

Und genauso fühlte sie sich mit Ernest: bewundert und auf einen Sockel gehoben, aber immer mit der leisen Ahnung, dass sie jederzeit den Halt verlieren könnte. – S. 161

Wood teilt ihren Roman in vier Teile, die je mit dem Namen der jeweiligen Ehefrau überschrieben und aus deren Sicht erzählt sind und führt ihre Leser nahezu chronologisch durch das zwanzigste Jahrhundert, beginnend in den Zwanzigern bis zum Tod Hemingways im Jahr 1961. Zeitsprünge und Ortswechsel erfolgen durch die entsprechend betitelten Kapitel und bringen eine angenehme Spannung in den Roman, der die Neugier auf die kommenden Seiten weckt.

Als sie sich wiedersahen, am Hafen von Boulogne-sur-Mer, erklärte sie, sie werde den Rest ihres Lebens nicht mehr von seiner Seite weichen. Erst später wünschte sie sich, er hätte ihr dasselbe versprochen. – S. 144

Jeder Mensch, den Wood in ihrem Roman auftreten lässt, ist mir spätestens auf den letzten Seiten ans Herz gewachsen. Die Gefühle der Frauen werden so authentisch beschrieben, dass ich jede Ehe retten und geheilt sehen wollte, obwohl ich wusste, dass es nach den realen Begebenheiten unmöglich ist. Anstatt die Ehen einzeln zu betrachten, verbindet Wood sie kapitelübergreifend und lässt ihre Parallelen und Unterschiede sichtbar werden. Mit ihrer unterhaltenden und leichten Sprache hat mich Naomi Wood in eine vergangene Zeit entführt und mich gut unterhalten. Aber bin ich zu prüde, wenn mich das Wort „ficken“ in einem Roman stört?

 

Mit Als Hemingway mich liebte hat Naomi Woods ein Lesevergnügen geschaffen, in dem sie vier Frauenschicksale unterhaltend und berührend miteinander verknüpft. Hemingway, obgleich unstet und untreu, bleibt als verwundeter und rastloser Mann im Gedächtnis, der mit einer Frau nach der anderen versucht, eine Wunde zu schließen, die nicht zu heilen scheint. Ein unterhaltender Zeitvertreib!

 

Als Hemingway mich liebte – Naomi Wood

Verlag: Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum: 10.03.2016
Übersetzer: Gerlinde Schermer-Rauwolf, Robert A. Weiß
ISBN: 978-3-455-40559-0
Seiten: 368

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1 comment

Anja Wortlichter 20. Oktober 2016 at 09:31

Hemingway war sicher überhaupt kein einfacher Ehemann.
Mich stören solche Wörter und Szenen auch immer. Besonders wenn sie dann auch noch so grauslich sind und gerade überhaupt nicht in die Handlung passen. Bei manchen Büchern der Gegenwartsliteratur ist erst alles ganz normal, und dann plötzlich, unerwartet kommt mitten in der Story, etwas wie: Und dann zeigte er allen seinen… Hähh? Wo kommt diese Idee plötzlich unverhofft her? Und dann geht es meist auch noch weiter mit seltsamen Praktiken. Ähm ja. Ich möchte ein anspruchsvolles Buch lesen und keinen solchen Schund. Wenn die Autoren das gerne behandeln wollen, gibt es sicher viel Gelegenheit dazu, aber in ganz normalen Roman plötzlich solche komischen Szenen einzubauen ist irgendwie unpassend.
Bei Elena Ferrante habe ich vor einigen Jahren mal ein Werk gelesen, was sämtliche Körperflüssigkeiten behandelte und das nicht nur einmal. Weiß nicht was die Autorin damit bezwecken wollte. Deshalb bin ich auch vorgeschädigt und halte nichts vom Ferrante Hype.
Wenn solche Wörter einmal vorkommen, kann ich darüber weglesen, aber richtig nervig ist es, wenn die Autoren ständig sowas einbauen oder versuchen das Ganze absichtlich irgendwie ordinär und besonders außergewöhnlich erscheinen zu lassen.

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