Anton hat kein Glück – Lars Vasa Johansson

22. Oktober 2016

Der erfolglose Berufszauberer Anton (45) ist am Tiefpunkt seiner Karriere angekommen. Seine Auftritte in den schwedischen Altersheimen wurden abgesagt, zum Geburtstag gratulierte ihm gerade einmal der Elektrodiscounter und seine Exfreundin tourt mit seinem ehemaligen besten – und einzigen – Freund mit einer spektakulären Zaubershow durch ganz Schweden. Doch dann ändert sich Antons Leben schlagartig. In Lars Vasa Johanssons neuem Buch Anton hat kein Glück ist der Titel Programm, denn durch einen unglücklichen Zufall begegnet der Zauberer einer Waldfee und ist seither vom Unglück verfolgt.

Hinter mir am Waldrand stand ein kleines Mädchen von ungefähr zehn Jahren. Ihre Haut war blass, sie hatte langes helles Haar und trug ein weißes Kleid, das ihr bis zu den nackten Füßen reichte.
„Ich brauche sieben verschiedene Blumen, die ich in der Mittsommernacht unter mein Kopfkissen legen kann. Wollen Sie mir suchen helfen?“ – S. 36f.

Bekanntermaßen sind es eigentlich die kleinen Dinge, die das Leben verändern. Nicht so bei Anton. Es ist ein Sofa. Ein großes rotes Sofa, das aus unerklärlichen Gründen Mitten auf der Straße steht und das Anton so stark mit seinem Auto rammt, dass er auf das Feld neben der Straße geschleudert wird. Das Auto ein halber Schrotthaufen begibt er sich auf die Suche nach einem Haus in der Nähe und verirrt sich in den Wald Tiveden. Was Anton nicht weiß: Tiveden ist kein normaler Wald. Auf seiner langen Suche trifft er auf ein kleines Mädchen, das ihn bittet, sieben verschiedene Blumen für sie zu pflücken. Doch Anton – griesgrämig und egoistisch wie er ist – gibt dem Mädchen einen Korb. Was Anton auch nicht weiß: Sie ist kein normales Mädchen, sondern eine Waldfee, die ihn fortan verflucht. Gemeinsam mit Greta und Gunnar – einem alten Ehepaar, das in Tiveden lebt – versucht er, sich von dem Fluch zu lösen. Dafür muss er drei Prüfungen bestehen.

Ich habe keinen realitätsnahen Roman erwartet und das wäre an dieser Stelle auch völlig fehl am Platz gewesen, aber gerade der Vergleich mit Jonasson und Backmann hat mich auf viel Charme und Witz hoffen lassen.

Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt: Die Handlung ist interessant und die eingebauten Zeitsprünge in die Vergangenheit Antons und seine Anfänge als Zauberer sind wirklich gelungen, ebenso seine Beziehung zu Sebastian, Charlotta und Jorma konnten mich ansprechen. Leider waren es aber die Kernststücke des Buches – Anton, Tiveden und die Prüfungen -, die mich nicht überzeugen konnten.

Anton scheint mir als Hauptfigur, wie ihn Johansson konstruiert hat, nicht geeignet. Antons Erfolgslosigkeit und sein einsames Leben zermürben ihn und machen ihn grantig, aufmüpfig, unfreundlich und respektlos. Die Kunst eines Autors liegt nun eigentlich darin, genau solche Protagonisten sympathisch und trotz aller schlechter Eigenschaften liebenswert zu machen. Johansson schafft das in meinen Augen leider nicht. Anton ist bis auf die letzten zwanzig Seiten einfach nur anstrengend.

Der sich durch das Buch ziehende Sarkasmus, insbesondere in den Gedanken Antons, konnte mich nur an wenigen Stellen zum Schmunzeln bringen. Die magischen Figuren, die Johansson entwickelte, zeigen, dass er ein kreativer Kopf ist und sich so einiges einfallen lassen kann, wirkten auf mich aber leider zu oberflächlich und albern. Die Prüfungen, die Anton absolvieren muss, haben mich nicht gefesselt und waren viel zu schnell vorbei, als dass sich wirklich Spannung hätte aufbauen können. Besonders schön finde ich wiederum, wie Johansson die Atmosphäre gerade in Tiveden beschreibt. Ich hatte beim Lesen förmlich das Gefühl, Mitten im Wald zu stehen und den Geruch von Kiefernnadeln einzuatmen.

„[…] Und welcher Dämon hat seine Klauen in Ihren Körper gerammt?““Ein Fabelwesen.““Welches denn? Der Schwefelknecht? Der Nachtklopfer? Das Garnschwein? Der Fleischklops? Der Miesepeter? Der Irrsinnskrakeeler? Der Faulpelz? Oder gar der Zähneknirscher?“ – S. 239

Ich bin hin und her gerissen: Einerseits habe ich mich sehr gut unterhalten, habe mich gefreut, wenn ich das Buch in die Hand genommen habe. Andererseits gibt es zu viele Dinge, die mich gestört haben, wie die Oberflächlichkeit und die vorhersehbare Handlung…

Mit Anton hat kein Glück hält Lars Vasa Johansson – obgleich er zweifellos ein kreativer Schriftsteller ist – dem hochtrabenden Vergleich mit Jonas Jonasson in keinem Fall stand. Sein erster Roman bietet eine unterhaltende, skurrile Geschichte, exzentrische Protagonisten, einen Hauch Magie, der zeitweise albern wirkt, allerhand Wunderliches und ein wenig überraschendes warmherziges Happy End. Ich bin nicht der große Fantasy-Leser und auch dieses Buch konnte mich leider nicht umstimmen. 

Details zum Buch

Anton hat kein Glück – Lars Vasa Johansson
Verlag: Wunderlich
Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2016
Übersetzer: Ursel Allenstein, Antje Rieck-Blankenburg
ISBN: 978-3-8052-0387-6
Seiten: 416

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2 comments

Marysol Fuega 17. Dezember 2016 at 11:22

Ahoy Cora,

entgegen meiner Hoffnungen hat mir dieses Buch leider gar nicht gefallen, angefangen bei den Charakteren und auch auf Grund der langweiligen Handlung…

Ich lasse liebste Wochenendsgrüße und frech auch meinen Link da, Mary <3

http://marys-buecherwelten.blogspot.de/2016/12/anton-hat-kein-gluck.html

P.S. Wunderschöne Fotos *-*

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Cora 17. Dezember 2016 at 11:23

Danke für deinen Kommentar. Da geht es dir ja so wie mir. Schade eigentlich…
Liebe Grüße!

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