Haruki Murakami gehört zweifellos zu den bekanntesten Schriftstellern der vergangenen Jahrzehnte. Während ich noch Murakami-Jungfrau bin – zumindest was seine Romane angeht – und ich nie das Bedürfnis hatte eines seiner Bücher zu lesen – ich habe eine innere Abneigung gegen Bücher, um die so ein Trara gemacht wird – hat mich das diesen Oktober erschienene Buch des Autors sofort neugierig gemacht. In Von Beruf Schriftsteller gewährt der sonst so scheue Autor einen einmaligen Einblick in sein Leben als Schriftsteller, Sportler, Musik- und Buchliebhaber.

Schriftsteller sind wie Fische. Wenn sie nicht ständig gegen den Strom schwimmen, sterben sie. – S. 21

Bereits vor fünf oder sechs Jahren begann Murakami, der den Wunsch hegte, seinen Lesern mehr über sich als Schriftsteller zu erzählen, die ersten Textabschnitte zu schreiben. Dass daraus ein autobiographisches Werk werden könnte, hatte der Schriftsteller nicht im Sinn gehabt. Und dennoch ist es so gekommen: Von Beruf Schriftsteller ist die Autobiographie und eine Seltenheit, denn Murakami gehört zu einem scheuen Menschenschlag. Der 65-jährige lebt zurückgezogen und meidet die Öffentlichkeit.

Murakami wird nicht müde zu erklären, dass er ein ganz normaler Mensch sei und ein ganz normales Leben führe. Aber er – und das wird wohl niemand leugnen – hat ein unglaubliches Talent zum Schreiben und Fabulieren. Sonst hätte er sich kaum so lang als Schriftsteller halten können. In seinem elf Essays umfassenden Sammelband lässt er seine Leser nun erstmals an seinen reichen Erfahrungen als Schriftsteller teilhaben.

Er schreibt über seinen Schreibprozess, über seine Figuren und die Probleme, mit denen er sich beim Schreiben konfrontiert sieht. Er erklärt, was er von Literaturpreisen hält. Berichtet über seine Schulzeit und seine Anfänge als Schriftsteller und erklärt, wie wichtig der Erhalt seiner körperlichen Fitness und physischen Gesundheit für seinen kreativen Schreibtischberuf ist.

Die Essays sind in einem unvergleichlich schönen Erzählton gefasst. Murakami selbst schreibt, dass er sich bemüht hat, eine Art Vortragsstil anzuwenden. Dadurch hatte ich von der ersten Seite an das Gefühl, neben Murakami zu sitzen und ihm beim Reden zuzuhören. Ich habe beim Lesen förmlich vergessen, dass ich lese und nicht einfach nur zuhöre. Die Essays sind mit solch einer Leichtigkeit geschrieben, dass sie schnell und flüssig zu lesen sind, und dennoch nicht oberflächlich oder gar platt wirken.

Dennoch verspüren wir den Wunsch, uns auszudrücken, und erkennen dabei unvermutet unser eigenes Wesen. – S. 78

Der Autor konnte mich an einigen Stellen zum Schmunzeln bringen, er hat mich nachdenklich gemacht und unheimlich inspiriert. Ich habe mich in vielen seiner Gedanken wiedergefunden. Dabei schreibt Murakami sehr nüchtern und bescheiden. Er ist nicht großspurig und prahlt schon gar nicht mit seinen Erfolgen, sondern wirkte auf mich sehr reflektiert und bescheiden. Dadurch ist er mir von Seite zu Seite sympathischer geworden.

Murakami hat mit seiner autobiographischen Essay-Sammlung einen einzigartigen Einblick in sein Künstlerdasein geschaffen. Mich haben seine Texte inspiriert, zum Nachdenken angeregt und mich motiviert an mir und meinen Fähigkeiten zu arbeiten. Und er sagt dafür etwas ganz entscheidendes: Das Schreiben eines Romans ist ein Handwerk, das jeder lernen kann, solange er es will. Das gibt mir doch ein wenig Hoffnung.

Details zum Buch
Von Beruf Schriftsteller – Haruki Murakami
Verlag: Dumont
Erscheinungsdatum: 13.10.2016
Übersetzer: Ursula Gräfe
ISBN: ISBN 978-3-8321-9843-5
Seiten: 240

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3 comments

Steffi | fieberherz.de 29. Oktober 2016 at 11:49

Spätestens jetzt bin ich komplett ermutigt, mir dieses Buch zuzulegen (ansonsten ist Weihnachten ja nicht weit), das ich ja, wie bereits schon auf Insta angemerkt, ohnehin schon im Blick hatte (unbedingt dann auch als Hardcover, das sieht nämlich wirklich gut aus) – schöner Post, danke für's Vorstellen!

Reply
Cora 1. November 2016 at 22:30

Gerne 🙂

Reply
Erina Schnabu 8. Januar 2017 at 10:47

Ich habe Murakamis Roman "Naokos Lächeln" gelesen und er gefiel mir sehr gut. Ich möchte irgendwann auf jeden Fall mehr von ihm lesen. Dieses Buch scheint perfekt dafür zu sein, wenn man sich mit dem Schriftsteller hinter diesen Romanen vertraut machen will.
Eine sehr schöne Rezension 🙂

Liebe Grüße,

http://lesenundgrossetaten.blogspot.de/

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