Himbeeren mit Sahne im Ritz – Zelda Fitzgerald

16. Dezember 2016

Es gibt wohl kein Paar, das die glamouröse und hemmungslose Zeit der zwanziger Jahre besser verkörpert, als die Fitzgeralds. Doch während F. Scott Fitzgerald noch heute für sein schriftstellerisches Talent verehrt wird, ist nur wenigen bekannt, dass auch seine Ehefrau Zelda Fitzgerald schriftstellerisch tätig war. Elf ihrer Erzählungen sind dieses Jahr in neuer Übersetzung im Manesse Verlag erschienen.

Für viele Menschen ist die Liebe so trügerisch wie die Marmelade in „Alice im Wunderland“ – gestern Marmelade, morgen Marmelade, nur heute gibt es keine. – S. 136

Die Roaring Twenties sind gekennzeichnet durch glamouröse Partys, viel Alkohol und Zigarettenrauch, finanzielle Ausgelassenheit, Federboas und lange Perlenketten.  Nicht zuletzt Zelda Fitzgerald war eines dieser typischen „flapper girls“, die in der Öffentlichkeit rauchten, tranken und sich selbstbewusst über Regeln der Schicklichkeit hinwegsetzten. So ist es kein Wunder, dass Zelda Fitzgerald eben solche Frauen in den Mittelpunkt ihrer Erzählungen rückt. Es sind starke, schillernde Frauen, die voller Abenteuerlust und Tatendrang stecken, die Konventionen missachten und großen Träumen nachhängen. Die Autorin zeichnet in ihren Erzählungen tiefgründige weibliche Charaktere, die sich über die bestehenden Regeln des Frauseins hinwegsetzen und ihren eigenen Weg gehen. Die Handlung bildet dabei häufig nur einen losen Rahmen, in denen Fitzgerald ihre Protagonistinnen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten entfaltet. Die Geschichten werden jeweils aus der Sicht eines Ich-Erzählers erzählt, der zur Hauptfigur meistens in direkter Beziehung steht. So könnte es natürlich sein, dass Zelda Fitzgerald inspiriert durch ihre Bekannten diese Erzählungen schrieb und damit Menschen aus ihrem Umfeld beschrieb.

Zum anderen weisen die im Zentrum der Geschichten stehenden Frauen einige Ähnlichkeiten zu Zelda Fitzgerald auf, sodass es manchmal scheint, als würde sich die Autorin von außen selber betrachten. Zelda Fitzgerald schafft es auf beeindruckende Weise ihre Leser in die Zeit der Roaring Twenties zu entführen und sie beim Lesen die Ausgelassenheit dieser Zeit spüren zu lassen. Ich habe mich mit Freude in jede der einzelnen Erzählungen gestürzt und mich wiedereinmal in diese Zeit gesehnt. Aufgrund der gleichen Thematik und der Ähnlichkeit der Hauptprotagonistinnen wirken die Erzählungen jedoch leider sehr ähnlich. Deshalb habe ich zwischen den Erzählungen kleinere und größere Pausen eingelegt, um nicht das Gefühl von Monotonie aufkommen zu lassen. Wie es bei Erzählbänden häufig der Fall ist, gibt es auch in diesem Erzählungen, die ich großartig fand und andere, die ich nicht so sehr mochte. Dennoch zeigen sie alle, dass Zelda Fitzgerald ein großes Talent zum Schreiben hatte. So beschreibt sie beispielsweise präzise den Gang der Sonnenstrahlen zwischen den Häuserfassaden bis sie „in kalter Berechnung […] die Gasse“ – S. 83 ignorierten, durch die sie gerade ging. Dabei geizt die Autorin weder mit Ironie noch mit frecher Scharfzüngigkeit und sprachlichen Bildern, die die Erzählungen zu einem wunderbaren Lesevergnügen machen.

Schwer zu sagen, wie kühne Menschen denken. Mut ist so etwas wie ein sechster, Orientierung stiftender Sinn, und manchmal glaube ich, dass die Mutigen sich in allen Urteilen und Entscheidungen davon leiten lassen. – S. 96

Zelda Fitzgerald entführt ihre Leser mit ihren Erzählungen in die ausgelassene Zeit der Roaring Twenties. Dabei überzeugt sie nicht nur durch ihr schriftstellerisches Talent, sondern auch durch starke und gleichzeitig zerbrechliche Protagonistinnen. Leider ähneln sich die Erzählungen inhaltlich sehr. Dadurch bietet es sich an, von Zeit zu Zeit eine kleine Pause einzulegen, um dann erfrischt erneut in die Zeit der Roaring Twenties einzutauchen.

Himbeeren mit Sahne im Ritz – Zelda Fitzgerald
Verlag: Manesse
Erscheinungsdatum: 26.09.2016
Übersetzer: Eva Bonné
ISBN: 978-3-7175-2400-7
Seiten: 224

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2 comments

Kai 20. Dezember 2016 at 11:35

Ich weiß nicht, ob das irgendwann mal auf Deutsch erscheint, aber "Z: A Novel of Zelda Fitzgerald" von Therese Anne Fowler ist in diesem Zusammenhang ebenfalls interessant.

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Nana 22. Dezember 2016 at 13:37

Hallihallo,

ich bin auf "Die Liebe zu den Büchern" über deinen Blog gestolpert und hab mich gleich mal ein bisschen verliebt. Man fühlt sich wirklich pudelwohl hier und deine Rezensionen (und erst die traumhaften Bilder!) sprechen mich sehr, sehr an. Ich freu mich auf viele Stöberstunden hier bei dir.

Viele liebe Grüße,
Nana

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