Eat, Pray, Love – Elizabeth Gilbert

21. März 2017 3 comments

Als ich im vergangenen Sommer angefangen habe, wöchentlich einen Yogakurs zu besuchen – mit der Absicht, etwas gegen meine Verspannungen und Rückenschmerzen zu machen -, habe ich mich irgendwann mehr mit dem Thema beschäftigen wollen und einen seichten Einstieg gesucht. Mir kam der Film Eat, Pray, Love mit Julia Roberts in den Sinn, den ich schon vor einer gefühlten Ewigkeit geschaut hatte und ehrlich gesagt grässlich kitschig und unglaubwürdig fand. Nachdem ich aber ein wenig gegoogelt und mir eine Freundin versprochen hatte, dass das Buch viel besser als der Film sei, habe ich den Versuch gewagt.

Elizabeth ist Anfang dreißig als sie ihren Mann in einem nervenaufreibenden Rosenkrieg verlässt und beschließt ein Jahr zu reisen. Erst nach Italien, dann nach Indien in einen Ashram und schließlich nach Indonesien. Während sie ihre Zeit in Italien weniger mit dem Italienischlernen und vielmehr mit dem italienischen Essen verbringt und das süße Nichtstun genießt, trifft sie im indischen Ashram das genaue Gegenteil: Vegane Kost und Tage, die bereits vor dem Morgengrauen beginnen. Ihre Reise endet schließlich auf der indonesischen Insel Bali, auf der sie schließlich mehr findet als nur ihre innere Balance.

Wenn ich meinen Geist auffordere, still zu sein, ist es wirklich verblüffend, wie schnell er sich 1. langweilt, 2. wütend, 3. deprimiert, 4. ängstlich oder 5. alles zugleich wird. – S. 196

Die US-amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Gilbert hält in ihrem Buch Eat, Pray, Love ihre Reise um die Welt und zu sich selbst fest. Toll fand ich dabei die Aufteilung, die sie für ihre Geschichte wählt: Das Buch ist in 108 Kapitel und drei Teile geteilt. Aber warum 108? Eine japa mala, eine Perlenkette, die Buddhisten und Hindus beim meditieren hilft, indem für jede Wiederholung des Mantras eine weitere Perle berührt wird, besteht in der Regel aus 108 Perlen. Jeder der drei Teile ist einem der Länder gewidmet, die sie bereist, besteht damit aus 36 Kapiteln und Gilbert ist genau 36 als sie das Buch schreibt! Die Einteilung in viele kurze Kapitel macht das Buch gerade fürs Zwischendrinlesen ideal.

Elizabeth Gilbert befindet sich zu Beginn des Romans in Italien und erzählt in Rückschauen ihre Vorgeschichte. Sie erzählt, wie sie ihren Mann verlassen hat, sich neu verliebte, aber auch in dieser Beziehung nicht glücklich wurde. Ihre Ratlosigkeit und ihr diffuses Gefühl, etwas ändern zu müssen, ohne zu wissen, was sie gegenwärtig wirklich stört, ist greifbar und fühlt sich real an. Mit ihren Erlebnissen in Italien konnte ich dafür weniger anfangen. Ihre Maßlosigkeit und Faulheit ging mir irgendwann ziemlich auf die Nerven. Dafür hat mich der zweite Teil, in dem sie in einem indischen Ashram lebt und endlich in die Tiefe ihrer Gefühle und Gedanken vordringt, wieder mehr angesprochen. Insbesondere ihre teilweise detaillierten Ausführungen zum Meditieren und die humorvollen und dennoch tiefgründigen Gespräche, die sie dort führt, konnten mich begeistern. Leider hat sich das aber nicht in den dritten Teil, in dem sie auf Bali lebt, weiter gezogen. Einerseits merkt man beim Lesen, dass sie sich in gewisser Hinsicht verändert hat und sich selber kennen lernt, andererseits wirkt sie auf mich auch am Ende noch immer naiv und hilflos.

„Sag mir, meine Liebe“ – er deutete auf den mächtigen, endos wogenden Ozean -, „sag mir bitte, wie genau du dem Einhalt gebieten willst.“ – S. 217

Ich mag den Gedanken, aus seinem Leben und der sicheren Blase auszubrechen, alles hinter sich zu lassen und nach etwas Neuem zu suchen. Tatsächlich hatte auch ich beim Lesen des Buches immer wieder das Gefühl, selber etwas verändern zu wollen, und nicht selten habe ich mir die gleichen Fragen gestellt, wie Elizabeth. Dennoch konnte mich das Buch nicht wirklich packen. Statt es intensiv zu lesen, habe ich viele Teile einfach überfolgen, da sie mich gelangweilt haben.

 

Eat, Pray, Love ist ein nettes Buch für Zwischendrin und für alle Menschen, die das Bedürfnis haben, etwas an ihrem Leben verändern zu müssen. Es zeichnet sich nicht durch unglaubliche Tiefgründigkeit oder entscheidende philosphische Fragen aus, zeigt aber wie schwer es sein kann, die eigenen Denkmuster zu durchbrechen und zu sich selber zu finden. Leider konnten aber die lesenswerten Stellen nicht meine häufig aufgekommene Langeweile ausgleichen.

 

Eat, Pray, Love – Elizabeth Gilbert

Verlag: Berlin Verlag
Erscheinungsdatum: 16.07.2013 (Erstveröffentlichung: 16.02.2006)
Übersetzer: Maria Mill
ISBN: 978-3-8333-0940-3
Seiten: 480

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3 comments

Die Vorleser 21. März 2017 at 21:41

Liebe Cora,
ich habe auch erst den Film gesehen und dann das Buch gelesen. Eigentlich mache ich es lieber andersrum. Den Film fand ich ok, aber nach der Lektüre eine ziemlich verkürzte Darstellung vom Buch. Für mich hat das Buch schon einige tiefe Stellen, aber vielleicht werden die dann wirklich zu sehr ausgetreten. Da ich es in Englisch gelesen habe und vielleicht nicht jedes einzelne Wort verstanden habe hat es mir insgesamt doch gut gefallen. Ich habe von der Autorin auch schon andere Bücher gelesen, die mir sehr gut gefielen.
Liebe Grüße von den Vorlesern

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Cora 22. März 2017 at 09:27

Ich lese in der Regel auch erst das Buch bevor ich den Film schaue. Diesmal habe ich es umgekehrt gemacht und vermutlich kam mir das Buch auch deswegen so langatmig vor… 😉 Welche Bücher von ihr kannst du noch empfehlen?

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Die Vorleser 8. April 2017 at 11:41

„Der Hummerkrieg“ und „Das Wesen der Dinge und der Liebe“. Beide toll wobei das letztere auch wieder etwas langatmiger ist, was aber zum Thema passt. Den habe ich noch „Big Magic“ eine Art Selbsthilferatgeber angefangen, aber nicht ausgelesen. Das ist schon etwas her und ich weiss auch nicht mehr genau, warum ich es nicht beendet habe. Ich glaube, sie kam mir zu wenig auf den Punkt.
Liebe Grüße von den Vorlesern

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