My Life on the Road – Gloria Steinem

5. Mai 2017 4 comments

Auf Gloria Steinems Buch „My Life on the Road“ bin ich tatsächlich durch Emma Watson aufmerksam geworden, die nicht nur eine großartige Schauspielerin ist, sondern sich auch seit Jahren für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen einsetzt. Ich habe mir das – in meinen Augen leider nicht ganz so attraktive – Buch schließlich spontan nach der Uni gekauft und es nicht bereut!

Gloria Steinem ist eine US-amerikanische Autorin, Aktivistin und Frauenrechtlerin und wurde 1934 geboren. In ihrer Autobiographie mit dem doch sehr simplen Titel „My Life on the Road“, die sie über zwei Jahrzehnte schrieb, fasst sie ihr Leben und ganz besonders ihre Arbeit der vergangenen Jahrzehnte zusammen, zieht Bilanz über ihren Einsatz für Frauenrechte und die Gleichstellung zwischen Mann und Frau und rückt dabei nicht nur sich, sondern auch zahlreiche andere inspirierende Frauen in den Mittelpunkt ihrer Erinnerungen.

Feminismus ist Erinnerung.
Ich verstand ihn (Anmerkung: diesen Satz) mit der Hilfe von Paula Gunn Allen. „Feministinnen“, schrieb sie, „leben in dem Irrglauben, niemand habe je in einer Gesellschaft gelebt, in der Frauen an der Macht teilhaben und wo ihre Teilhabe die Regeln des Zusammenlebens begründet. […]“
Ihre Schlussfolgerung war ebenso simpel wie bahnbrechend: „Die Wurzel der Unterdrückung ist der Gedächtnisverlust.“ – S. 327

Das Buch besteht aus sieben großen Kapiteln, die jeweils einem bestimmten Thema gewidmet sind. So erzählt sie in „In den Fußstapfen meines Vaters“ von ihrer Kindheit und wie sehr diese sie und ihr späteres Leben geprägt hat und erklärt in „Gesprächskreise“ wie sie das erste Mal mit dem Feminismus in Kontakt kam. Dabei erzählt die Autorin zum einen viel von sich und schiebt zum anderen den Fokus immer wieder von sich weg, rückt andere Frauen in den Vordergrund. Besonders gefallen hat mir das Kapitel „Warum ich nicht Auto fahre“, in dem sie dafür eintritt, nicht isoliert im Auto zu reisen, sondern Taxen, Züge oder Busse zu nutzen. Insbesondere dieses Kapitel besteht aus einer Vielfalt an unvergesslichen Anekdoten, die Steinem auf ihren Reisen im Zug oder im Taxi gesammelt hat. Steinem geht dabei keinesfalls chronologisch vor.

Manchmal, wenn ich mitten im Trubel stehe, meine ich, die Stimme meiner Mutter zu hören: „Demokratie, das muss man täglich machen, wie Zähneputzen.“ – S. 208

Tatsächlich ist ihre Autobiographie etwas chaotisch, unorganisiert, als hätte sie einfach das niedergeschrieben, was ihr gerade in den Sinn kam. Ich habe während des Lesens häufig den roten Faden gesucht bis ich akzeptiert hatte, dass da keiner ist. Zumindest keiner, den ich sehen konnte. Vielmehr habe ich das Buch als das angenommen, was es ist: Eine Sammlung an Erinnerung. Unsortiert, so wie sie vermutlich der Autorin in den Kopf geschossen sind. Gerade ihre Art, wie sie diese Erinnerungen wieder gibt, hat es mir schließlich besonders angetan. Steinem schreibt neutral, aber nicht unbeteiligt, engagiert, aber nicht besserwisserisch. Ich habe ihre Art, mit der eigenen Vergangenheit umzugehen, als sehr authentisch empfunden, da sie sich selber nicht glorifiziert, über gemachte Fehler schreibt, kritisch mit ihrer Vergangenheit umgeht und den Weg zeigt, den sie gegangen ist und auf dem sie all die Dinge gelernt hat, für die sie eintritt. Denn auch sie war nicht von Geburt an die Aktivistin und Frauenrechtlerin, die sie heute ist.

Ihr weißen Frauen, sagte Mrs Greene in freundlichem Ton, als hätte sie meine Gedanken gelesen. Wie wollt ihr euch für andere einsetzen, wenn ihr euch nicht einmal für euch selbst einsetzt? – S. 84

Und ich bin fasziniert und inspiriert von den vielen Dingen, die sie in ihrem Leben gemacht und erlebt hat. Sie kommt mir vor wie ein Brummkreisel, der immer in Bewegung ist, über die Welt rotiert, als Reporterin unterwegs ist, schreibt, Veranstaltungen organisiert, Wahlkampf macht, in Gesprächskreisen redet und zuhört. Anders als Margarete Stokowski in ihrem Buch „Untenrum frei“, über das ich hier geschrieben habe, konzentriert sich Steinem nicht auf das, was noch verändert werden muss, sondern auf das, was bereits passiert ist. Damit gibt sie einen Grundpfeiler, auf dem zukünftiges Engagement aufgebaut werden kann.

 

„My Life on the Road“ ist ein Puzzle aus Erinnerungen, Menschenportraits und Gesellschaftskritik, das sich vielleicht wirr und ohne roten Faden zusammensetzt, aber dadurch in keinem Fall an Reiz verliert, sondern an Authentizität gewinnt. Gloria Steinem scheint mir nach diesem Buch eine fabelhafte, unabhängige, offene und zur Selbstkritik fähige Frau zu sein, die aufrichtig und mit viel Begeisterung aus ihrem Leben als reisende Aktivistin erzählt. Und ihre Botschaft könnte keine Bessere sein: Sie möchte ihre Leser*innen ermutigen, die Welt zu bereisen und dabei stets offen für alles Neue zu sein.

 

My Life on the Road – Gloria Steinem

Verlag: btb Verlag
Erscheinungsdatum: 11. Juli 2016
Übersetzerin: Eva Bonné
ISBN: 978-3-442-75703-9
Seiten: 384

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4 comments

Mara Luna 5. Mai 2017 at 16:40

Ich möchte dieses Buch nun auch schon so lange lesen – und Emma Watsons feministischer Buchclub finde ich übrigens natürlich auch eine ziemlich tolle Sache.
Es hört sich unglaublich gut an, ich muss sagen, dass ich mich noch nicht sonderlich schlau gemacht habe über das Buch, aber dass das Reisen eine solche grosse Rolle spielt, war mir nicht ganz klar (dooferweise, denn das steckt ja eigentlich bereits im Titel…)

Danke für deine schöne Rezension, möchte es jetzt noch lieber lesen!
Herzlich, Mara x

Reply
Herzensdinge | Woche 18 – Wortkulisse 7. Mai 2017 at 16:03

[…] Freitag habt ihr meine Buchgedanken zu der Autobiografie „My Life on the Road“ von Gloria Steinem lesen können. Das Buch habe ich sehr gemocht. Außerdem ist diese Woche mein Monatsrückblick für […]

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Ein Monat in Büchern | Februar 2017 – Wortkulisse 30. Juni 2017 at 10:22

[…] My Life on the Road – Gloria Steinem […]

Reply
Leselaunen 30. Juni 2017 at 23:20

Die Zitate sind sehr authentisch, tolles Buch!

Neri
http://www.lese-launen.blogspot.com

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