Fiesta – Ernest Hemingway

18. Juli 2017 2 comments

„Fiesta“ (Original: „The Sun also Rises“) ist der Debütroman des US-amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway, der ihn auf einen Schlag berühmt machte. Der Autor widmet sich basierend auf seinen eigenen Erlebnissen der Fiesta San Fermin im spanischen Pamplona und skizziert damit ein authentisches Abbild der Lost Generation im Paris der 1920er Jahre.

Jake Barnes, ein im ersten Weltkrieg impotent gewordener Journalist, lebt im Paris der Zwanziger Jahre. Er und seine Freunde führen das typische Leben der Roaring Twenties: Eskapaden, übermäßiger Alkoholkonsum, Sorglosigkeit und Partys prägen den Alltag der Romanfiguren. Jake reist gemeinsam mit seinem Freund Bill Gorton nach Spanien, um dort zu angeln und schließlich mit weiteren Freunden – Robert Cohn, Mike Campbell und Lady Brett Ashley, in die Jake verliebt ist – nach Pamplona weiterzuziehen, die Fiesta San Fermin zu feiern und unter der heißen Sonne Spaniens dem Spektakel der Stierkämpfe beizuwohnen. Das exzessive Leben in Paris, die ruhigen Tage in der spanischen Natur und das wiederum ausschweifende Leben in Pamplona bilden einen starken Kontrast. Während sich die Freunde zu Beginn der Reise gut verstehen, entladen sich im Laufe der Fiesta mehr und mehr die Spannungen zwischen ihnen. Nicht zuletzt die Fülle des Alkohols führt zu aufgeladenen und überschäumenden Situationen.

Tagsüber ist es ungeheuer einfach, alles auf die leichte Schulter zu nehmen, aber nachts sieht das ganz anders aus. – S. 50

Es ist dieser Satz „You are all a lost generation“ („Ihr seid alle eine verlorene Generation“) von Gertrude Stein, der Ernest Hemingways Roman wohl am Besten beschreibt. Hemingways Generation ist von Einflüssen geprägt, die nicht gegensätzlicher sein könnten: Auf der einen Seite der Erste Weltkrieg, auf der anderen die ausschweifende Dekadenz der Goldenen Zwanziger. Ernest Hemingway selbst arbeitete jedoch ehrgeizig an seiner schriftstellerischen Karriere und hinterließ dabei nicht wenig verbrannte Erde. Sein Debüt „Fiesta“ ist dafür ein anschauliches Beispiel. 1924 reiste Ernest Hemingway gemeinsam mit seiner Frau Hadley und Freunden nach Pamplona. Sie besuchten die Stierkämpfe, feierten die Fiesta mit viel Alkohol – und wurden damit zur Vorlage für Hemingways Roman. Nahezu eins zu eins überahm er die Biographien, Charaktere und Verhaltensweisen seiner Freunde und gab sie ohne Vorwarnung der Öffentlichkeit preis.

Die Fiesta hatte ernsthaft begonnen. Sie ging sieben Tage lang Tag und Nacht weiter. Das Tanzen ging weiter, das Trinken ging weiter, der Lärm ging weiter. Was dort geschah, konnte nur während einer Fiesta geschehen. – S. 197

Ernest Hemingway widmete seiner Eisberg-Theorie des Schreibens, nach der nur ein Bruchteil der Handlung dem Leser durch das geschriebene Wort offenbart wird, viel Zeit und perfektionierte sie in „Fiesta“. Die Sprache ist nüchtern, emotionslos, gleichförmige Aussagesätze reihen sich aneinander. Insbesondere die Dialoge zeichnen sich durch eine scharfe Zunge der Protagonisten aus und machen den Roman schwungvoll. Während ich die reduzierte Art des Erzählens in Hemingways Kurzgeschichten bisher sehr erfrischend fand, habe ich mich in „Fiesta“ doch schwerer damit getan. Zudem ist es erstaunlich und erschreckend zu sehen, wie sehr Rassismus, Antisemitismus und Sexismus in der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts verankert und wie salonfähig sie waren. Nicht selten lassen sich entsprechende Äußerungen in den Dialogen finden. Nichtsdestotrotz ist der Roman wegen seiner Authentizität fesselnd. Die Tatsache, das ein großer Teil der Handlung und der auftretenden Figuren auf wahren Personen und Begebenheiten beruhen, machen das Buch so faszinierend.

 

Ernest Hemingways Roman „Fiesta“ verhalf dem Autor zum Weltruhm und rief ähnlich wie „Die Leiden des jungen Werthers“ eine Vielzahl von Nachahmern hervor. Hemingways stakkatohafter, anspruchsvoller Schreibstil ist sicherlich Geschmackssache. Der Roman, obwohl er eine ganze Party ist, ist keine leichte Kost – aber genau das macht ihn lesenswert und „Fiesta“ zu einem authentischen Abbild der verlorenen Generation, die zwischen den beiden Weltkriegen erfolglos versucht, einen Sinn im Leben zu finden.

 

Fiesta – Ernest Hemingway

Verlag: rororo
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2015 (Ersterscheinung: 1926)
Übersetzer: Werner Schmitz
ISBN: 978-3-499-26912-7
Seiten: 320

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2 comments

Die Vorleser 31. Juli 2017 at 19:52

Fiesta gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Ich lese es immer mal wieder. Schön, dass du es besprochen hast.
Liebe Grüße von den Vorlesern

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Cora 1. August 2017 at 16:37

Wie schön, dass dir das Buch so sehr gefällt. Ich habe mich ja doch etwas schwerer mit dem Buch getan und weiß nicht, ob ich es irgendwann noch einmal lesen werde. So unterschiedlich können die Geschmäcker manchmal sein 😉

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