Und alle benehmen sich daneben – Lesley M. M. Blume

21. Juli 2017 1 comment

Wenn ich an Ernest Hemingway denke, dann denke ich an die Roaring Twenties und natürlich an einen der berühmtesten US-amerikanischen Autoren des vergangenen Jahrhunderts. Dass Ernest Hemingway aber nicht immer der bekannte Autor war, als der er heute angesehen wird, zeigt Lesley M. M. Blume in der Biographie „Und alle benehmen sich daneben“, in der sich die Autorin den Anfangsjahren Hemingways Karriere widmet und wie er mit „Fiesta“ (Original: „The Sun also Rises“) seine eigene Legende schuf.
Die US-amerikanische Autorin Lesley M. M. Blume widmet sich in ihren Werken vor allem kulturgeschichtlichen Themen und herausragenden Persönlichkeiten. In „Und alle benehmen sich daneben – Wie Hemingway seine Legende erschuf“ rückt die Autorin Ernest Hemingway in den Mittelpunkt der detailreichen Biographie. Aber auch wenn Hemingway im Zentrum des Buches steht, enthält es umfangreiche Informationen über das Paris der Zwanziger Jahre und zahlreiche Menschen, denen Hemingway auf seinem Weg begegnet ist. Ein entscheidender Weggefährte für Ernest Hemingway war ohne Zweifel Sherwood Anderson. Der damals in Amerika gefeierte Autor überzeugte den zweiundzwanzigjährigen Ernest Hemingway und seine Frau Hadley dazu, nach Paris zu gehen und gab ihm obendrein eine Reihe an Empfehlungsschreiben mit, die ihm den Zutritt in den literarischen Olymp an der Seine verschaffen sollten. Hemingway hörte auf diesen Rat und knüpfte daraufhin Kontakt zu unter anderem Sylvia Beach, Gertrude Stein und Ezra Pound. Später sollen weitere bekannte Persönlichkeiten wie F. Scott Fitzgerald, Dorothy Parker, Cole Porter und Sarah und Gerald Murphy hinzukommen.

Irgendwann würde ein schlechtes Gewissen bei ihm einsetzen, aber in diesem Moment gab ihm ihre Verbindung ein „unglaublich zerreißendes, stoßendes Glücksgefühl“, das zugleich furchtbar und „unzerstörbar“ war. – S. 273

Während Ernest Hemingway immer besessener an seinen Kurzgeschichten und Romanentwürfen schreibt und seine Eisberg-Theorie perfektioniert, gibt er seine Arbeit als Reporter auf und stürzt die kleine Familie, die daraufhin ausschließlich von dem Treuhandfond Hadleys lebt, in finanziellen Missstand. Zu einem entscheidenden Wendepunkt im Leben der Hemingways werden schließlich die Reisen in das spanische Pamplona. Insbesondere die zweite Reise zu San Fermin nach Pamplona, bei der Hadley und Ernest Hemingway von Lady Duff Twysden, Harold Loeb, Donald Ogden Stewart, Pat Guthrie und Bill Smith begleitet wurden, fand Eingang in Hemingways Debütroman, in dem er seine Freunde schonungslos porträtierte.

… aber für Hemingway waren seine ehemaligen Freunde nur Kollateralschäden. Schließlich war er dabei, die Literatur zu revolutionieren, und in jeder Revolution mussten ein paar Köpfe rollen. – S. 26

Lesley M. M. Blume wertet in der Biographie akribisch Biographien, Briefe und Erinnerungen der Menschen aus, denen Hemingway auf seinem Weg begegnete. Zahlreiche Zitate lockern den Text dabei auf und machen ihn lebendig und umso interessanter. Es ist erstaunlich zu sehen, mit wie viel Rücksichtslosigkeit Hemingway an seinem Ziel, ein berühmter Autor und ein Revolutionär der Literatur zu werden, arbeitete und über welche Leichen er dabei bereit war zu gehen. Während Hemingway viel Unterstützung aus seinem Umfeld genoss – etwa von F. Scott Fitzgerald, Sherwood Anderson und Gertrude Stein -, wandte sich Hemingway wieder und wieder von seinen Gönnern und Bewunderern ab, brach mit Freunden und nutzte die Hilfsbereitschaft anderer aus. Neid auf alle Schriftsteller, die erfolgreicher und bekannter waren als er, und ein kaum zu übertreffender Ehrgeiz trieben ihn an. Sein unbestechlicher Charme öffnete ihm eine Tür nach der anderen, sein Abhärtungsprozess und seine schon übertriebene Männlichkeit wirken anziehend und abstoßend zugleich. Lesley M. M. Blume zeigt, dass Ernest Hemingway selbst der größte Förderer seiner Karriere war, aber zugleich einige Menschen freiwillig oder unfreiwillig große Opfer für ihn brachten. Den wohl größten Beitrag und zugleich das größte Opfer für Hemingways Erfolg leistete die Pamplona-Gruppe, deren Leben sich nach dem Erscheinen von Hemingways Debürtoman „Fiesta“ (Original: „The Sun also Rises“) in ein Leben vor und ein Leben nach „Sun“ teilte. Unfreiwillig gingen sie in die Literaturgeschichte ein, denn berühmt wurden sie durch den Roman alle – ruiniert einige.

 

Lesley M. M. Blume befasst sich in der Biographie „Und alle benehmen sich daneben“ detailreich mit Ernest Hemingway und seinem Ziel, einer der berühmtesten Autoren des 20. Jahrhunderts zu werden. Damit schafft sie ein umfassendes Werk, das insbesondere den Fans der Roaring Twenties wie auf den Leib geschneidert ist. Denn auch unabhängig von Hemingways Leben enthält das Buch zahlreiche Anekdoten und Informationen über Paris, die Zwanziger Jahre und die berühmt berüchtigte Lost Generation. Und es ist irgendwie beruhigend zu sehen, dass auch ein Autor wie Ernest Hemingway einmal klein anfangen musste.

 

Und alle benehmen sich daneben – Lesley M. M. Blume

Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 07. April 2017
Übersetzer: Jochen Stremmel
ISBN: 978-3-423-28109-6
Seiten: 528

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Ein Monat in Büchern | Juli 2017 – Wortkulisse 1. August 2017 at 07:47

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