Gehen, um zu bleiben – Anika Landsteiner

4. August 2017 0 comment

Das Prinzip ist einfach: Wer ankommen möchte, muss erst einmal losfahren. Doch oftmals ist das Losfahren gar nicht so einfach. Kein Geld, keine Zeit, keine Freunde, die mitfahren. Gründe, um zu bleiben, sind schnell gefunden. Die Gründe, um zu gehen, sind aber häufig die besseren. Das zeigt uns Annika Landsteiner in ihrem Buch „Gehen, um zu bleiben“.

Anika Landsteiner hat drei Passionen: Schauspiel, Reisen und Schreiben. Während sie das Schauspielern nach einer abgeschlossenen Ausbildung aber an den Nagel gehangen hat, hat sie das Reisen und Schreiben zu ihrem Beruf gemacht. Sie war Chefredakteurin von MUCBOOK, schreibt für verschiedene Print- und Onlinemagazine und führt ihren tollen und inspirierenden Reiseblog Ani denkt. Wenn ihr ihn noch nicht kennt, müsst ihr unbedingt vorbeischauen! Ani denkt unterscheidet sich in so vielen Dingen von anderen Reiseblogs: literarische Texte vermitteln ihre Gedanken über Kulturen, Menschen und Erlebnisse. Authentizität und Reflexion stehen im Mittelpunkt. Umso gespannter war ich auf Anika Landsteiners erstes Buch „Gehen, um zu bleiben“, das dieses Jahr erschien – ein Buch, das in mir sofort mein Fernweh geweckt hat.

Das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn Menschen, die reisen wollen und Spaß daran haben, in andere Kulturen einzutauchen, sich von ihren Ängsten abhalten lassen. […] Statt zu Hause zu bleiben, sollten wir genau das Gegenteil tun. – S. 11

Fernab von Pauschaltourismus und dem neusten Trendhobby „Reisen“, nimmt uns Anika Landsteiner in ihren Texten mit rund um die Welt: Sie nimmt uns mit auf einen eintätigen Raodtrip durch Kalifornien, in die vielfältige Natur Malawis und in die Unterwasserwelt bei Mauritius, nach Sansibar, Kolumbien, China, Indien, Frankreich, Italien und Benin. Mit jeder Reise verbindet sie Erfahrungen und mit jeder Erfahrung eine Emotion: Freiheit, Angst, Sehnsucht, Trägheit, Vorurteile, Grenzen und viele mehr. Neben positive Geschichten und lustige Anekdoten reihen sich somit auch nachdenkliche und kritische Gedanken. Im Mittelpunkt stehen nämlich nicht so sehr die einzelnen Orte, sondern vielmehr die Erlebnisse, die sie dort gemacht, und die Erkenntnisse, die sie dort gewonnen hat. Man könnte meinen, dass Anika Landsteiner ihr ganzes Leben reisend verbringt. Stattdessen kehrt sie jedoch immer wieder nach München in ihre Dachgeschosswohnung zurück – solange bis ihr Fernweh sie wieder packt, sie die nächste Reise bucht und erneut loszieht – dem Kreislauf des Reisens folgend.

Aus der Lust auf das Abenteuer wurde der Wunsch, mehr als das Offensichtliche zu sehen, um zu verstehen, was nicht gleich verständlich war. Haken auf der Bucketlist sind eine Sache, aber Erfahrungen, die einem niemand mehr nehmen kann und Eindrücke, die gefestigte Überzeugungen erschüttern können, eine ganz andere. – S. 274

„Gehen, um zu bleiben“ lebt von Anika Landsteiners Authentizität, ihre Weltoffenheit und ihre natürliche Art haben mich von der ersten Seite an angezogen.  Die Autorin schreibt ihre Erlebnisse und Gefühle in einer so melodischen und eindrücklichen Sprache nieder, dass ich das ganze Buch lang das Gefühl hatte, die Reisen miterlebt zu haben. Es geht ihr nicht darum, die heißesten Spots der Welt zu bereisen oder die gefährlichsten und aufregendsten Abenteuer zu erleben. Vielmehr spricht sie über das, was sie auf den Reisen gelernt hat, über Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie sie laufen sollten, und über ihre eigenen Grenzen, an die sie während der Reisen gestoßen ist. Und nicht zuletzt hatte ich das Gefühl, mit ihr auf einer Wellenlänge zu sein: Nachhaltigkeit ist ihr wichtig, Konsum sieht sie kritisch, sie plädiert für Weltoffenheit und gegen Vorurteile, dafür, dass wir Menschen mehr gemeinsam haben als uns unterscheidet, und dass Glücklichsein nicht das Ziel, sondern der Weg ist.

 

Anika Landsteiner nimmt uns in „Gehen, um zu bleiben“ mit auf die Reise und lässt uns an ihren ganz persönlichen Erfahrungen und Gedanken teilhaben. Das Buch besticht nicht nur durch den klaren Schreibstil, sondern vor allem durch die Authentizität der Autorin. Es gibt Bücher, die etwas in einem verändern, wenn man sie liest – dieses ist eines davon.

Pssst…: Anika Landsteiner arbeitet gerade an ihrem ersten Roman, der 2018 erscheinen soll. Ich werde ihn mir auf jeden Fall anschauen! Du auch?

 

Gehen, um zu bleiben – Anika Landsteiner

Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: 15. Mai 2017
ISBN: 978-3-442-17672-4
Seiten: 288

 

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