C’est un ami à moi | „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda

29. September 2017 0 comment

In „Zusammen ist man weniger allein“ („Ensemble, c’est tout“) von Anna Gavalda verzweigen sich die Leben von vier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Camille, Philibert, Frank und Paulette. Das märchenhafte Buch der französischen Schriftstellerin Anna Gavalda ist ein Seelentröster für alle, die nach einem Weggefährten suchen.

Nach dem Tod seiner Großmutter wird der sechsunddreißigjährige Philibert von seiner Familie verpflichtet, solange bis die Erbschaft geregelt ist, auf deren nun leerstehende Wohnung in Paris aufzupassen. Philibert, dessen Familie in einem Schloss wohnt und dessen kleine Schwestern die Eltern mit „Sie“ ansprechen, stottert und hat Probleme, mit Menschen in Kontakt zu treten. Deshalb arbeitet er trotz seines Staatsexamens in Geschichte in einem Postkartenshop vor einem Museum. Einen Mitbewohner hat er für seine Wohnung dennoch gefunden: Frank. Frank ist ein grummeliger Frauenheld, der regelmäßig Frauen in die Wohnung bringt und dennoch keine Menschen an sich heran lässt. Er arbeitet als Koch in einem Restaurant außerhalb von Paris und spart sein ganzes Gehalt für ein Motorrad. Als Kind wuchs er bei seiner Großmutter Paulette auf. Seine Mutter, die sich auf dem Rücksitz eines Autos von einem fremden Mann schwängern ließ, wollte ihn abtreiben lassen, erhielt von ihrer Mutter aber nicht die finanzielle Unterstützung, um diesen Plan umzusetzen. Paulette lebt allein in einem kleinen Haus und einem wunderschönen Garten in der Nähe von Paris. Bei einem Sturz bricht sie sich den Oberschenkelknochen und zieht daraufhin, weil sich niemand um sie kümmern kann, in ein Altersheim. Doch dort ist sie unglücklich. Sie vermisst ihren Garten, die Blumen und die Vögel.

In einer kleinen ehemaligen Dienstmädchenwohnung, weit oben in dem Haus, in dem Philibert und Frank wohnen, wohnt Camille. Camille arbeitet in einer Reinigungsfirma, leidet unter einer Essstörung und hat eine komplizierte Beziehung zu ihrer kettenrauchenden Mutter. Sie war lange Zeit eine leidenschaftliche Künstlerin, hat diesen Teil ihrer selbst jedoch aufgegeben. Im Hausflur lernen sich Philibert und Camille zufällig kennen, sie verstehen sich gut. Als sich Camille in ihrer zugigen Dachwohnung eine Grippe holt und Philibert bemerkt, dass sie blass und angeschlagen aussieht, macht er sich große Sorgen. Nach langem Überlegen über die Schicklichkeit seines Unternehmens nimmt er sich ein Herz und holt Camille aus ihrer Wohnung und nimmt sie mit in seine Wohnung. Frank ist zunächst entsetzt, doch nach und nach beginnen die drei, füreinander zu sorgen.

Der Roman begleitet vier einsame und grundverschiedene Menschen, die durch eine Reihe an Zufällen beginnen, ihr Leben in einer außergewöhnlichen Wohngemeinschaft zu teilen. Sie alle haben eine schwere Vergangenheit und eine komplizierte Eltern-Kind-Beziehung hinter sich, haben es deshalb schwer, wahre Freundschaften zu schließen und Menschen an sich heran zu lassen. Erst die Nähe in der dreihundert Quadratmeter großen Wohnung bringt Camille, Philibert, Frank und Paulette dazu, sich zu öffnen. Der Roman wechselt seine Perspektive regelmäßig zwischen einer auktorialen Erzählerin und den einzelnen Figuren und lässt dabei so manche komische Szenen entstehen. Dennoch bleiben die Figuren, allen voran Philibert, merklich blass. Trotz der komplizierten Vergangenheiten und Familiengeschichten der vier Weggefährten, die nach und nach in dem Roman Konturen bekommen, ist „Zusammen ist man weniger allein“ erstaunlich oberflächlich, die anfänglichen Konflikte zwischen Frank und Camille sind kaum der Rede wert – alles wird romantisiert. Anna Gavalda sagte einer Zeitung vor der Veröffentlichung des Romans, dass es leicht sein wird, das Buch mies zu machen, denn es hat etwas Zärtliches an sich. Die Figuren sind schrullig und liebenswert, die Handlung ist vorhersehbar und steuert kontinuierlich auf ein Happy End zu.

 

„Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda ist ein Zufluchtsort für jeden, der sich aus der Realität zurückziehen, sich von seinen eigenen Problemen, und wenn es auch nur für einen Augenblick ist, abwenden möchte. In den vier Hauptfiguren Camille, Philibert, Frank und Paulette findet wohl jeder, der das Buch liest, einen Freund, eine Freundin oder zumindest ein wenig Trost, nicht allein zu sein. „Zusammen ist man weniger allein“ ist ein Buch für den Augenblick. Um lange im Gedächtnis zu bleiben, ist der Roman zu oberflächlich und die Autorin zu sehr bemüht, vor dem Hintergrund eines angeblich komplizierten Lebens ein romantisches Märchen ohne Konflikte zu schaffen.

 

Zusammen ist man weniger allein – Anna Gavalda

Verlag: FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 01. Januar 2005
Übersetzerin: Ina Kronenberger
ISBN: 978-3-596-17303-7
Seiten: 560

Das könnte dir auch gefallen

Leave a Comment

*