Ein Monat in Büchern | September 2017

6. Oktober 2017 3 comments

Seit einem Jahr teile ich mit euch meine Liebe zu Literatur. Zum Lesen. Zum Schreiben. Doch in den letzten Tagen ist es eher leise um mich geworden. Hier und vor allem auf Instagram ist es leise geworden. Denn: Mein Leben besteht aus so viel mehr.

Die Literatur ist schon beinahe seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich verlasse morgens nicht mein Bett, ehe ich nicht mindestens fünf Seiten gelesen habe – dafür stelle ich extra den Wecker früher. Wenn mein Freund abends fernsieht, verkrieche ich mich lieber hinter ein Buch und schaue höchstens auf, wenn die Tagesthemen kommen. Oder eine Sendung über Literatur. Die sind mir nämlich fast so lieb, wie das Lesen selbst. Mein Leben dreht sich um Literatur.
Ich träume davon irgendwann einen eigenen Buchladen zu haben, umgeben von Büchern zu arbeiten und mit meiner Katze (oder vielleicht auch einem Hund) auf einem weichen Retrosofa zu sitzen, zu lesen, meinen Kunden Kaffee zu kochen und über die neuesten Bücher und Autor*innen zu reden. Oder vielleicht eine eigene Literaturzeitschrift zu veröffentlichen. Ich träume davon, ein eigenes Buch zu schreiben. Selbst in den Olymp der Autoren und Autorinnen aufzusteigen, die ich so sehr vergöttere. Meine Träume drehen sich um Literatur.

Aber: Mein Leben besteht aus so viel mehr.

Ich habe die vergangenen zwei Wochen kaum eine Seite gelesen, habe keine Rezension geschrieben und kein einziges Bild auf Instagram veröffentlicht. Ich habe nichts sinnreiches auf Twitter mit der Welt geteilt und auch sonst keine geistigen Ergüsse im Internet von mir gegeben. Nicht weil ich keine Zeit hatte oder mir die Arbeit im Genick hing, sondern weil ich anderes getan habe. Anderes, das mich genauso – oder zumindest fast genauso – glücklich macht, wie das Lesen und das Schreiben über das Gelesene.
Am Samstag sind Monsieur und ich fünf Stunden nach Bad Essen gefahren, um dort gemeinsam mit vielen anderen Helfern die Pyrotechnik-Show des „Burning Airfield“ aufzubauen und weitere Helferscheine zu sammeln. Sonntag ging es von Bad Essen aus fünf Stunden nach Dresden. Dort haben wir eine Oper angesehen, sind durch die Stadt geschlendert, haben viel gegessen (Kuchen!). Ja, im Buchladen war ich auch (für Monsieur gab es einen Stuhl, Kaffee und eine Katze zum Kuscheln, da durfte ich sogar ein bisschen länger ohne Gemecker von der Seite Stöbern), aber gelesen habe ich kaum. Und ich habe seit einer Ewigkeit wieder meine Pinselstifte ausgepackt und mich im Handlettering versucht.  Beim Nachfüllen der grünen Farbe habe ich übrigens meinen grauen Pullover versaut. Aber vielleicht färbe ich den einfach komplett um. Schaden kann’s ja nicht…

Was ich sagen möchte: Hier teile ich eine Seite von mir mit euch. Die Seite, die stundenlang lesen kann, den Nachmittag am liebsten mit Buch auf dem Sofa verbringt und sich tagelang von Tee und Müsli ernährt – das Buch geht schließlich vor und einkaufen kann man noch später. Die andere Seite, die leidenschaftlich gern Opern hört, Musik macht, durch die Wohnung tanzt, in matschigen Wanderschuhen und durchgeweichter Regenjacke Zünder an Kugelbomben anbringt, mit Gaffer Tape in der einen und Verschleißdraht in der anderen Hand kämpft und dreimal die Woche Waffeln bäckt und mit allerlei Leckereien zu kleinen Kunstwerken verziert, um sie dann hungrigen Gästen unter die Nase zu stellen, seht ihr nicht. Und ich weiß nicht, wie viel Platz ich ihr hier einräumen kann. Denn schließlich soll es hier um Bücher gehen. Und das wird es auch weiterhin. Aber ich überlege, ob ich meinen Instagram-Account über die Literatur hinaus persönlicher gestalte. Ich möchte mehr ich selbst sein können.

Aber jetzt soll es endlich wieder um Bücher gehen:

Gelesen habe ich im September dank Urlaub und Semesterferien dennoch einiges. Darunter waren – ausgenommen „Und es schmilzt“ von Lize Spit – nur dünne Bücher. Ich persönlich mag dünne Bücher deutlich lieber als dicke und genieße es, in kurzer Zeit in viele Welten eintauchen zu können. „Der Spaziergänger von Aleppo“ von Niroz Malek und „Drei Geschichten“ von Gustave Flaubert habe ich mir in Dresden im Buchladen „Büchers Best“ (Louisenstraße 37, 01099 Dresden) gekauft. Der Buchladen ist sehr gemütlich, mit großer Katze und kostenfreiem Tee oder Kaffee kann man dort wirklich Stunden verbringen.

 

„Und es schmilzt“ von Lize Spit

„Und es schmilzt“ von Lize Spit habe ich – wie viele andere – als Leseexemplar zugeschickt bekommen. Es ist ein Buch, das ich mir selbst niemals ausgesucht hätte, neugierig war ich aber trotzdem. Die Geschichte um die junge Frau Eva, die in einem kleinen Ort in Belgien aufwuchs und nach vielen Jahren zurück in den Ort ihrer Kindheit reist, ist nichts für schwache Nerven. Warum? Das könnt ihr gern in meiner Rezension nachlesen (einfach auf den Link klicken).

 

„Lieber Mr. Salinger“ von Joanna Rakoff

Das Buch hat mich absolut begeistert! Denn was gibt es besseres als Bücher über Literatur? Joanna Rakoff hat gerade ihren Master in Englischer Literatur abgeschlossen, als sie eine Anstellung als Assistentin in einer kleinen Literaturagentur in New York findet. Ihre Aufgaben bestehen aus dem Abtippen von Diktiertem und dem Beantworten von Fan-Post. Doch die Fan-Post ist nicht für irgendjemanden. Sie ist für J. D. Salinger. Eine Rezension zu dem Buch wird auf jeden Fall folgen!

 

„Das Papierhaus“ von Carlos María Domínguez

Auch die Geschichte „Das Papierhaus“ von Carlos María Domínguez dreht sich um Bücher. Nach dem Tod von Bluma Lennon, einer Dozentin für Literatur, erhählt ein junger Kollege ihren Lehrstuhl. Kurze Zeit später nimmt er ein Päckchen entgegen. Es enthält ein ramponiertes Buch mit einer Widmung an Bluma Lennon. Er macht sich auf die Suche nach dem Absender und taucht dabei in eine faszinierende Welt voller Bibliotheken und skurrile Leser ein. Auch hierzu wird eine Rezension folgen.

 

„Die Maschine steht still“ von E. M. Forster

Die Kurzgeschichte „Die Maschine steht still“ von E. M. Forster erschien bereits 1909 und beschreibt eine zukünftige Welt, in der die Menschen von der MASCHINE abhängig sind. Sie leben isoliert unter der Erde und lassen jedes Bedürfnis durch einen Knopfdruck von der MASCHINE erfüllen. Es ist erstaunlich wie weit und wie treffsicher E. M. Forster in die Zukunft blickt. Mehr dazu könnt ihr in der bald folgenden Rezension lesen.

 

„Nachts ist es leise in Teheran“ von Shida Bazyar

„Nachts ist es leise in Teheran“ von Shida Bazyar habe ich das letzte Mal spontan im Buchhandel mitgenommen und es definitiv nicht bereut. Die Geschichte um eine iranische Familie, die nach dem Regierungsumsturz im Iran nach Deutschland flieht, ist wirklich packend. Außerdem vergöttere ich Shida Bazyars Schreibstil. Die Rezension habe ich bereits geschrieben und ihr werdet sie nächste Woche auf dem Blog finden.

 

„Harry Potter und der Stein der Weisen“ von J. K. Rowling

Jeden Herbst verabschiede ich mich aus der realen Welt und mache einen Ausflug in die Welt von Harry Potter. Ich lese und/oder höre jeden Teil und schaue mir, wenn ich den jeweiligen Band beendet habe, den dazugehörigen Film an. Ich bin ein großer großer Harry Potter-Fan und genieße vor allem die schönen Beschreibungen des winterlichen Hogwarts – in der Wirklichkeit tue ich mich mit dem Winter und der Kälte nämlich eher schwer und dadurch wird meine innere Einstellung zumindest ein bisschen gebessert. Im September habe ich Teil 1 gelesen. Teil 2 und 3 und vielleicht den Anfang von Teil 4 möchte ich noch im Oktober schaffen. Mal sehen, wie ich voran komme.

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3 comments

Milena 6. Oktober 2017 at 10:41

Liebe Cora,
wie schön, ich freue mich schon auf deine Rezension zu „Nachts ist es leise in Teheran“. Ich habe das auch vor ein paar Monaten gelesen und mochte es sehr sehr gerne! Die Sprache hat mir auch besonders gefallen. Nüchtern, aber sehr treffend.
Viele Grüße,
Milena

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Lisa 6. Oktober 2017 at 16:17

Hallo Cora,
Das ist ein sehr schöner Beitrag. Ich lese total gerne auf deinem Blog, weil deine Beiträge immer interessant sind und weil ich deine Buchauswahl richtig toll finde. Die meisten der Bücher, die du liest, kenne ich nicht und deine kurzen Beschreibungen oder auch deine Rezensionen machen mich neugierig. Lieber Mr. Salinger klingt toll! Da muss ich mir noch deine Rezension durchlesen.
Auch wenn das jetzt etwas hochtrabend klingt : danke, dass du so einen schönen Blog betreibst, hier zu lesen, macht mir viel Freude 🙂
Lisa

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Cora 8. Oktober 2017 at 11:46

Oooh wie lieb von dir, liebe Lisa. Ich freue mich sehr darüber, dass dir mein Blog gefällt und du gerne meine Beiträge liest <3
Liebste Grüße
Cora

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