Ein Jahr in Büchern & einige Vorsätze | 2017

31. Dezember 2017 0 comment

Die Zeit zwischen den Jahren ist für mich eine Zeit, in der ich innehalte. In diesen freien Tagen gibt es für mich keine Verpflichtungen, kein „ich muss“, sondern ganz viel „ich könnte“. Ich lese, gehe spazieren, schreibe Tagebuch und reflektiere. Was ist in dem vergangenen Jahr passiert? Was war gut? Und was nicht? Was hat sich geändert und was möchte ich noch ändern? Ich weiß, dass der 1. Januar im Grunde auch nur ein Tag wie jeder andere ist. Aber dennoch ist dieser Tag für mich etwas Besonderes. Er ist wie ein kleiner Meilenstein in meinem Leben, an dem ich auf das zurückblicke, was ich bereits erreicht habe, und an dem ich mir das vorstelle, was in Zukunft möglich wäre.

Bevor ich meinen Jahresrückblick zu schreiben begann, habe ich mir unzählige andere Rückblicke angesehen, Bildergalerien durchgeblättert und Artikel über 2017 gelesen. Eines  steht fest: 2017 war ein ereignisreiches Jahr! Nicht nur in meinem persönlichen Leben, sondern auch in der Weltöffentlichkeit ist so einiges passiert. Ich möchte gar nicht alles aufzählen, das wäre an dieser Stelle nicht nur nicht möglich, sondern darüberhinaus anderswo besser nachzulesen. Hier soll es mir heute um einen ganz persönlichen und buchigen Blick auf das vergangene Jahr gehen. Und ein paar Vorsätze für 2018 habe ich natürlich auch!

2017 war auch für mich ein Jahr mit vielen Aufs und Abs. Ich durfte unendlich großartige Tage und Wochen verleben und habe in stressigen Tagen beinahe den Kopf verloren. Ich habe großartige Bücher gelesen, mich mit weniger guten Büchern beschäftigt und zwei schreckliche Bücher abgebrochen. In meinem Bücherregal habe ich Platz für umso mehr neue Bücher geschaffen, die mein Herz erfüllen, meinem Bankkonto aber nicht unbedingt gut tun…Meine liebsten zehn Bücher aus dem vergangenen Jahr möchte ich euch hier noch einmal vorstellen. Mit einem Klick auf den Titel kommt ihr – wenn vorhanden – zur Rezension des jeweiligen Titels.

 

2017: 10 Bücher, die bleiben

1) „MY LIFE ON THE ROAD“ VON GLORIA STEINEM & 2) „UNTENRUM FREI“ VON MARGARETE STOKOWSKI

Dieses Jahr habe ich mich wieder zunehmend mit dem Feminismus und der Gleichberechtigung von Mann und Frau beschäftigt. Zwei Bücher, die ich dazu auf dem Blog vorgestellt habe und die mich sehr begeistert haben, sind „My Life on the Road“ von Gloria Steinem und „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski. Obwohl die Bücher sehr unterschiedlich sind, haben sie auf mich doch die gleiche Wirkung gehabt: Sie haben mich einiges gelehrt, haben mich zum Nachdenken gebracht und mir zwei Frauen näher gebracht, die mich inspirieren und die ein Orientierungspunkt für mich geworden sind. Ich kann diese Bücher jedem und jeder von euch ans Herz legen: „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski allen, die einen interessanten Einstieg in den Feminismus suchen, und „My Life on the Road“ denjenigen, die eine groben Einblick in die Geschichte des Feminismus finden wollen.

 

3) „STOLZ UND VORURTEIL“ VON JANE AUSTEN

„Stolz und Vorurteil“ ist das erste Buch, das ich von Jane Austen gelesen habe. Ich habe mich sofort in die Geschichte verliebt! Elizabeth ist eine großartige Protagonistin. Sie ist intelligent, schlagfertig, eigensinnig und nicht verlegen, ihre eigene Meinung zu sagen. Ich habe mich ihr beim Lesen sehr nah gefühlt. Von der ersten Seite an konnte ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen und ich habe beim Lesen alles um mich herum vergessen.

 

4) „DER REPORT DER MAGD“ VON MARGARET ATWOOD

„Der Report der Magd“ von Margaret Atwood ist mein absolutes Herzensbuch in diesem Jahr. Die kanadische Autorin zeichnet in ihrem dystopischen Roman ein erschreckendes Bild der Zukunft, in der Frauen unterdrückt und auf ihre biologische Fähigkeit bzw. Unfähigkeit reduziert werden. Der Roman ist ein Appell, sich nicht auf den eigenen Rechten und Freiheiten auszuruhen, denn sie können einem schneller genommen werden, als man vielleicht denkt.

 

5) „ANNA KARENINA“ VON LEO TOLSTOI

Leo Tolstoi gelingt es mit viel Verstand und einer guten Prise Humor, das Leben in den Adelskreisen des 19. Jahrhunderts einzufangen und mit authentischen Figuren, tiefgründigen philosophischen Gedanken und fesselnden Beziehungen wiederzugeben. Interessiert man sich zusätzlich für die russische Gesellschaft und ihre Gepflogenheiten zu dieser Zeit, ist der Roman ein wahrer Hochgenuss voller Informationen, die lebhaft anhand der Protagonisten und Protagonistinnen vermittelt werden. Ich hatte immer Respekt vor diesem Wälzer und bin jetzt umso glücklicher, mich daran gewagt zu haben.

 

6) „UND ALLE BENEHMEN SICH DANEBEN“ VON LESLEY M. M. BLUME

Mit „Und alle benehmen sich daneben“ schafft Lesley M. M. Blume ein umfassendes Werk über Ernest Hemingways Anfangsjahre als Autor, das insbesondere den Fans der Roaring Twenties wie auf den Leib geschneidert ist. Denn auch unabhängig von Hemingways Leben enthält das Buch zahlreiche Anekdoten und Informationen über Paris, die Zwanziger Jahre und die berühmt berüchtigte Lost Generation. Und es ist irgendwie beruhigend zu sehen, dass auch ein Autor wie Ernest Hemingway einmal klein anfangen musste.

 

7) „BLAUSCHMUCK“ VON KATHARINA WINKLER

Katharina Winkler findet in „Blauschmuck“ die richtige Sprache für das Unaussprechliche und gewährt einen emotionalen und schonungslosen Einblick in das Innenleben einer jungen Frau, die die schlimmsten Formen der Gewalt – die Gewalt ihres Ehemannes – über sich ergehen lassen muss. Damit erschafft sie, auch losgelöst vom Kontext einer frauenverachtenden Auslegung des Islams, einen wichtigen Beitrag für die dringend notwendige Beschäftigung mit häuslicher Gewalt und einen Debütroman, der mich atemlos zurück gelassen hat.

 

8) „NACHTS IST ES LEISE IN TEHERAN“ VON SHIDA BAZYAR

Shida Bazyar greift in „Nachts ist es leise in Teheran“ ein aktuelles und in der Öffentlichkeit wieder präsentes Thema auf: Die Zerrissenheit, die Einwanderer zwischen ihrer eigenen Kultur und der Kultur des aufnehmenden Landes empfinden, nicht nur in erster, sondern auch in zweiter Generation. Ich habe den Debütroman der Autorin sehr genossen und war von dem originellen Aufbau der Geschichte – jedes Familienmitglied kam in einem großen Kapitel zu Wort – besonders begeistert. Ich freue mich auf die – hoffentlich – folgenden Werke der jungen Autorin.

 

9) „JUST KIDS“ VON PATTI SMITH

Ich habe es immer noch nicht geschafft, eine Rezension über „Just Kids“ von Patti Smith zu schreiben. Dabei hat mir das Buch in diesem Jahr so viel gegeben! Patti Smith erzählt darin von ihrem Leben in den 70er Jahren in New York und ihrer Liebe und Freundschaft zu Robert Mapplethorpe. Sie gibt einen tiefen Einblick in ihrer Arbeit als Lyrikerin und Musikerin und Mapplethorpes Arbeit als Künstler und Fotograf. Damit ist das Buch für mich zu einer Quelle der Inspiration geworden, das mir gezeigt hat, dass sich harte Arbeit und Leidenschaft auszahlen und man sich nicht zwangsläufig für eine Leidenschaft entscheiden muss.

 

10) „WHO THE FUCK IS KAFKA“ VON LIZZIE DORON

Ich habe „Who the fuck is Kafka“ von Lizzie Doron noch nicht beendet, aber dennoch wollte ich es unbedingt mit in diese Liste aufnehmen. Die israelische Autorin skizziert anhand der schwierigen Freundschaft zwischen einer israelisch-jüdischen Schriftstellerin und einem palästinensisch-muslimischen Journalisten die Komplexität des Nahostkonfliktes und macht damit für ihre Leser*innen greifbar, warum für diesen unteilbaren Konflikt bisher keine Lösung gefunden werden konnte.

 

2018: Dinge, die kommen sollen

Im Jahr 2018 soll sich so einiges ändern. Das wünschen wir uns nicht nur für die nationale und internationale Politik, sondern ich wünsche es mir auch für mein Leben. Ich habe in 2017 viel geschafft, habe viele meiner Ziele erreicht und unglaublich viel über mich gelernt. Dennoch ist nicht alles so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Deshalb möchte ich 2018…

 

…MEHR AUF MEINE PSYCHISCHE UND PHYSISCHE GESUNDHEIT ACHT GEBEN.

2017 war ein Jahr, in dem ich erstaunlich kränklich war. Ich hatte sehr häufig Kopfschmerzen, war dauernd erkältet, hatte zunehmend Bauchschmerzen und ganze zweimal eine Lebensmittelvergiftung. Außerdem bin ich immer wieder an meine psychischen Grenzen gekommen – sei es durch Stress, nervenaufreibende Situationen oder schlechte Menschen. 2018 möchte ich mehr Acht auf mich geben. Ich möchte mir mehr Zeit für mich nehmen und mich, meine Bedürfnisse und Grenzen besser kennenlernen.

 

… MEHR STRUKTUR IN MEIN LEBEN BRINGEN.

Eigentlich bin ich ein ganz gut organisierter Mensch. Ich habe meinen Kalender, in dem ich alles wichtige notiere, ich schreibe mir regelmäßig To Do Listen und vergesse in der Regel nichts. Doch in diesem Dezember ist meine ganze Organisation implodiert. Ich hatte viel für die Universität zu tun, habe beinahe jeden Tag Weihnachtslieder auf dem Weihnachtsmarkt gespielt, hatte Weihnachtskonzerte und bin arbeiten gegangen. Ich habe einige Dinge schleifen lassen: Das Lesen, das Bloggen, das Schreiben, den Sport, ruhige Zeit nur für mich. Das soll mir in 2018 nicht mehr passieren.

 

…MEIN LEBEN WIEDER IN DIE EIGENE HAND NEHMEN.

Viel zu häufig habe ich in dem vergangenen Jahr meine Entscheidungen von anderen Menschen abhängig gemacht. Und meistens war ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Wie auch wenn ich nicht auf mich selbst höre? Ein wichtiger Schritt wird in 2018 für mich sein, mich besser kennenzulernen und mir vertrauen zu lernen. Damit ich mein Leben selbstbestimmt leben kann, ohne zu sehr auf den gut gemeinten, aber für mich falschen Rat der Freundin zu hören oder mich an allzu starre Konventionen zu klammern.

 

…MEHR LESEN UND WENIGER FERNSEHEN.

Gerade in stressigen Zeiten tendiere ich dazu vor dem Fernseher zu versauern. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber es ist eine schreckliche Angewohnheit von mir. Da habe ich sowieso schon wenig Zeit für mich selbst und diese verschwende ich dann auch noch stumpfsinnig vor der Röhre. Dabei liebe ich es zu lesen, ich liebe es Hörbücher zu hören und dabei zu puzzeln oder laufen zu gehen. Ich liebe es durch bedruckte Seiten in andere Welten einzutauchen und ganz nebenbei entspannt es mich so sehr, wie es nichts anderes zu tun vermag.


Habt ihr Vorsätze für das neue Jahr? Oder ist der 1. Januar für euch ein Tag wie alle anderen?

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