„Oh Maschine! Oh Maschine!“, flüsterte sie | „Die Maschine steht still“ von E. M. Forster (1909)

13. Februar 2018 3 comments

Ein Leben, das von den Fähigkeiten einer Maschine anhängig ist, in dem das Sammeln von Eindrücken wichtiger ist als tatsächliche Bildung und der Kontakt zu Menschen fast ausschließlich über Videoanrufe erfolgt. Das alles klingt aktuell und ist doch Bestandteil einer mehr als hundert Jahre alten Kurzgeschichte von E. M. Forster.

„Die Maschine steht still“ von E. M. Forster erschien 1909 und entwirft eine Zukunft, in der die Menschen unterirdisch und abgeschottet voneinander leben. Doch den Menschen fehlt es an nichts: Die Maschine erfüllt alle Bedürfnisse mit einem Knopfdruck. Egal ob es um ein Bad geht, ein Gespräch mit einem anderen per Videochat oder das Austauschen von Ideen. Ein Leben an der frischen Luft und die wirkliche Nähe zu anderen Menschen ist in dieser Version der Welt nicht mehr notwendig. In dieser Welt leben Vashti und ihr Sohn Kuno. Während Vashti mit ihrem Leben zufrieden ist und die Gebrauchsanweisung der Maschine wie eine Bibel behandelt, ist Kuno über das abgeschottene Leben unter der Erde ernüchtert und sehnt sich nach der Erdoberfläche.

Es gab einen Knopf für Kaltbäder. Es gab einen Knopf für Literatur. Und natürlich gab es jene Knöpfe, die es ihr ermöglichten, mit ihren Freunden zu kommunizieren. Als Nächstes betätigte sie wieder den Isolationsknopf, und die Anfragen der letzten drei Minuten stürzten auf sie ein…

E. M. Forster schafft in seiner Erzählung unglaubliches: Er beschreibt eine Welt, in der Menschen gnadenlos abhängig von einer Maschine sind, die im Laufe der Handlung sogar gottgleichen Status erhält. Damit sieht er nicht nur das Internet, sondern auch Instant Messenger voraus. Das macht die Geschichte, obwohl sie mehr als hundert Jahre alt ist, zu einem medienkritischen Werk, das auch heute Aktualität besitzt. Aber auch andere wichtige Themen finden in der Kurzgeschichte einen Platz: So ist beispielsweise die Oberfläche der Welt durch die Abgase der Maschine zu einem lebensfeindlichen Ort geworden, an dem sich die Menschen nur mit Atemmasken aufhalten können. Es geht aber auch um menschliche Beziehungen und wie diese durch die Technik verdrängt und schließlich unnötig werden. Und nicht zuletzt erinnert das im Laufe der Geschichte passierende Aufsteigen Kunos an die Erdoberfläche und sein Erkennen der tatsächlichen Welt und wie das Leben der Menschen sein sollte, an das Höhlengleichnis Platons. Nichtsdestotrotz kam mir die Erzählweise unglaublich sperrig vor. Die vielen Fragmente, aus denen die Handlung zusammengesetzt wird, ergeben am Ende kein harmonisches Bild und machen die Kurzgeschichte, trotz ihrer sehr interessanten Thematik, zu einem eher mühsamen Leseerlebnis.

 

„Die Maschine steht still“ von E. M. Forster ist eine Kurzgeschichte, die auch heute Aktualität besitzt und vor der zunehmenden Abhängigkeit der Menschen von modernen Techniken und der Zerstörung der Erde als den natürlichen Lebensraum der Menschen warnt. Leider hinterließ die Kurzgeschichte bei mir aufgrund des Schreibstils Forsters trotz der guten Thematik einen unharmonischen Eindruck.

 


 

Bibliographie

Verlag: Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum: 14.10.2016
Übersetzer: Gregor Runge
ISBN: 978-3-455-40571-2
Seiten: 80
15,00 €

Über den Autor

Edward Morgan Forster (1879-1970) war ein britischer Schriftsteller. Seine Werke „Wiedersehen in Howards End“ und „Zimmer mit Aussicht“ gehören zu den Klassikern der Moderne und machten ihn zu einem der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. In einigen seiner Werken setzte er sich mit dem damals tabuisierten Thema der Homosexualität auseinander. Seine Erzählung „Die Maschine steht still“ erschien 2016 in neuer Übersetzung.

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3 comments

Leselaunen 16. Februar 2018 at 17:08

Das klingt wirklich spannend. Gerade, weil das Buch von 1909 und somit historisch gesehen wirklich spannend ist.

Neri, Leselauen

Reply
Ein Monat in Büchern | Februar 2018 – Wortkulisse 3. März 2018 at 10:01

[…] Im Februar habe ich zwei Rezensionen veröffentlicht. Darunter waren „Die Maschine steht still“ von E. M. Forster, eine dystopische Erzählung aus dem Jahr 1909 über die Abhängigkeit der Menschen von der […]

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Sören 4. März 2018 at 12:35

Cool. habe fast alle Forster-Romane gelesen, diese ungewöhnliche Geschichte ist mir neu… Hat was von einer Vorgeschichte zu Asimovs Mutivac…

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