Und das ist, was Sie sind | „Vollendung in Liebe “ von Don Miguel Ruiz (2001)

28. Februar 2018 1 comment

2018 steht für mich ganz im Zeichen der Selbstfindung und Spiritualität. Ich mache Yoga, meditiere und lese Bücher, die sich mit solchen Themen befassen. So auch „Vollendung in Liebe“ von Don Miguel Ruiz. Heute erkläre ich euch, warum mich das Buch inspiriert und am Ende doch nicht überzeugt hat.

Don Miguel Ruiz ist ein mexikanischer Schamane toltekischer Abstammung und damit ein Nachfahre einer langen Linie an Schamanen und Heilern, die ihr Wissen von Generation zu Generation weiter getragen haben. Sein Selbsthilfebuch „Vollendung in Liebe“ – im Original „Mastery of Love“, was ich viel ansprechender und treffender finde – habe ich aufgrund der Empfehlung einer Youtuberin, die ich sehr schätze, gelesen. Don Miguel Ruiz beschäftigt sich in diesem Buch mit dem weiten Feld der Liebe und der zwischenmenschlichen Beziehungen und versucht damit seinen Lesern einen Weg aus der Spirale von Selbstverurteilung, Angst und Schuld zu geben und zu einem glücklichen Leben zu führen. Der Fokus des Buches liegt auf der Beziehung zu sich selbst und auf der Beziehung zwischen Paaren, aber auch die Liebe zu den eigenen Eltern und Freunden wird ab und an angeschnitten.

Wir tragen eine gesellschaftliche Maske, weil es zu sehr schmerzt, uns selbst zu sehen oder andere sehen zu lassen, wie wir wirklich sind. […] Wir errichten diese Schranken zum Schutz und um andere Menschen von uns fern zu halten, doch gleichzeitig halten uns diese Barrieren zurück und beschränken unsere Freiheit. – S. 28

Der Anfang des Buches hat mich direkt in seinen Bann gezogen. Der Autor schreibt davon, dass wir alle die Macht haben unser eigenes Leben und damit auch unsere eigene Realität zu erschaffen und dass wir schlussfolgernd daraus eben auch die Fähigkeit besitzen uns und unser Leben zu ändern. Er sagt, dass wir emotional verwundet sind und sich diese Wunden in negativen Emotionen wie Wut, Traurigkeit, Neid und Hass manifestieren. Diese Wunden verhindern es, dass wir Menschen an uns heran lassen und ihnen unser wahres Selbst offenbaren. Genauso wie körperliche Wunden, können aber auch diese seelischen Wunden geheilt werden. Ein Problem sieht Don Miguel Ruiz zudem in der Angst vor Ablehnung und dem stetigen Streben nach Akzeptanz durch andere. Denn das führe, so der Autor, dazu, dass wir uns selbst verlieren und zahlreiche Images unseres selbst entwickeln, um von den unterschiedlichen Gruppen – Eltern, Lehrern, Freunden – akzeptiert und angenommen zu werden.

Dieses Image der Perfektion sagt uns, wie wir sein sollten, um als gut zu gelten und uns selbst zu akzeptieren. Doch machen Sie sich klar: Dies ist die größte Lüge, die wir über uns selbst glauben, weil wir nie perfekt sein werden. Und gleichzeitig schließt es aus, dass wir uns selbst vergeben, nicht perfekt zu sein. – S. 54

Ab den ersten sechzig Seiten fand ich „Vollendung in Liebe“ zunehmend langatmig. Während sich der Autor mit der Beziehung zwischen Liebenden beschäftigte, gab es zwar noch immer vereinzelte Stellen, die mich überzeugen konnten, zwischen ihnen lagen aber zunehmend mehr Seiten, die für mich mit Belanglosigkeiten gefüllt waren. Dass man sich selbst akzeptieren und lieben muss und sich nicht allein von der Liebe seines Partners abhängig machen sollte, dass Sex und Lust natürliche Bedürfnisse sind, für die man sich nicht schämen muss und dass Liebe nicht ausschließlich von außen, sondern primär aus unserem Inneren kommen soll, sind für mich die wichtigsten Gedanken aus den letzten zwei Dritteln des Buches, die jedoch auf deutlich weniger Seiten hätten unterkommen können. Was mich an dem Buch aber tatsächlich zunehmend abschreckte, war die Qualität der Übersetzung. Die Texte wirken teilweise sehr schwurbelig und ungelenk. Ich denke, dass gerade bei solchen Büchern eine zu originalgetreue Übersetzung die Harmonie des Textes und die Energie, die ein solcher Text ausstrahlen sollte, zerstören. Eine freiere Übersetzung hätte dem Buch gut getan.

 

„Vollendung in Liebe“ von Don Miguel Ruiz ist ein Buch, bei dem ich mit gemischten Gefühlen die letzte Seite umgeblättert habe. Ich habe zum einen zahlreiche Passagen angestrichen und ein tieferes Verständnis für persönliche Probleme gewonnen, zum anderen habe ich mich aber vor allem gegen Ende des Buches zunehmend gelangweilt. Das mag nicht zuletzt auch an der Übersetzung gelegen haben. Bei weiteren Büchern des Autors werde ich zum englischen Original greifen. Zum Schluss möchte ich aber noch meine liebste Passage aus dem Buch mit euch teilen:

 

Sie sind Leben, das durch Ihren Körper fließt, durch Ihren Geist, durch Ihre Seele. Haben Sie das erst einmal herausgefunden – nicht mit der Logik, nicht mit dem Intellekt, sondern weil Sie dieses Leben fühlen können – stellen Sie fest, dass Sie die Kraft sind, die dafür sorgt, dass die Blumen sich öffnen und schließen, die die Kolibris von Blume zu Blume fliegen lässt. Sie Stellen fest, dass Sie in jedem Tier sind, in jeder Pflanze und in jedem Stein. Sie sind jene Kraft, die den Wind bewegt und die durch Ihren Körper atmet. Das ganze Universum ist ein lebendiges Wesen, das durch diese Kraft bewegt wird, und das ist es, was Sie sind. Sie sind das Leben. – S. 147

 


 

BIBLIOGRAPHIE 

Verlag: Ullstein Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2004
Übersetzerin: Angelika Hansen
ISBN: 978-3-548-74121-5
Seiten: 224
11,00 €

ÜBER DEN AUTOR

Don Miguel Ruiz (*1952) ist ein mexikanischer Autor und toltekischer Schamane. Nach einer Nahtoderfahrung wandte er sich von seiner bisherigen Tätigkeit als Chirurg ab und den Lehren seiner toltekischen Vorfahren zu, um zu individueller Freiheit und größerem moralischem Verständnis zu gelangen. Sein bekanntestes Werk ist das Selbsthilfebuch „Die vier Versprechen“, das international Erfolg hatte.

Das könnte dir auch gefallen

1 comment

Ein Monat in Büchern | Februar 2018 – Wortkulisse 3. März 2018 at 11:40

[…] dystopische Erzählung aus dem Jahr 1909 über die Abhängigkeit der Menschen von der Technik, und „Vollendung in Liebe“ von Don Miguel Ruiz, ein Selbsthilfebuch über zwischenmenschliche Beziehungen und die Beziehung zu sich selbst. […]

Reply

Leave a Comment

*