Je veux devenir poète | “Schnee” von Maxence Fermine (1999)

von Cora
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Über den Autor

Maxence Fermine (*1950) ist ein französischer Schriftsteller. Sein Debütroman “Schnee” (1999) erhielt in Frankreich begeisterte Besprechungen und machte den Schriftsteller einer größeren Leserschaft bekannt. Nach diesem Erfolg widmete er sein Leben dem Schreiben und veröffentlichte zahlreiche weitere Werke, darunter vor allem Romane und Novellen.

 

Je veux devenir poète

Yuko ist siebzehn als er sich entscheiden muss, welchen Beruf er ergreifen soll. Sein Vater stellt ihn vor die Wahl, der alten Familientradition folgend Priester oder Krieger zu werden. Doch Yuko hat zwei Leidenschaften, die mit dieser Tradition brechen: Haikus und Schnee. Haiku ist eine traditionelle Gedichtform aus Japan, das nach strengen Richtlinien verfasst wird. In seiner ursprünglichen Form besteht es aus drei Zeilen mit jeweils fünf, sieben und fünf japanischen Moren. Nach Tagen in den verschneiten Bergen des japanischen Nordens, in denen die Winter am kältesten sind, entschließt sich Yuko sein Leben den Haikus zu widmen, um in ihnen die Vollkommenheit des Schnees und der Farbe Weiß festzuhalten. Siebenundsiebzig solcher Haikus verfasst er, bis eines Tages ein Mann vor seiner Tür steht, geschickt vom kaiserlichen Hof. Der Mann prophezeit ihm eine erfolgreiche Karriere als Hofdichter, wenn er bereit ist, Schüler Sosekis zu werden. Denn eines fehlt seinen Gedichten: die Farbe.

Durchsichtiger Schnee
Eine Brücke der Stille
Wie auch der Schönheit. – S. 29

Maxence Fermine skizziert die Geschichte des jungen Yuko und schafft dabei eine beeindruckende Symbiose aus der Handlung und seinem schlichten Erzählton. Während Yuko auf der Suche nach einem perfekten Haiku ist, das die Vollkommenheit des Schnees und die Reinheit der Farbe Weiß nachzeichnet, vergisst er, dass auch etwas Farbe in jedes Haiku und jedes Leben gehört. Und spätestens dann, wenn der Leser erfährt, dass der Haikumeister Soseki blind ist, wird offensichtlich, dass es sich dabei um etwas anderes, etwas viel wichtigeres handelt. Es ist nicht die Farbe, die seinen weißen Gedichten fehlt, sondern die Liebe. Eine Liebe, die Yuko bis dahin nicht empfunden und die Soseki vor langer Zeit in den Weiten der Berge inmitten des Schnees verloren hatte.

Es gibt zwei Arten von Menschen.
Es gibt jene, die lieben, spielen und sterben.
Und es gibt jene, die niemals etwas anderes tun, als sich auf dem Grat des Lebens im Gleichgewicht zu halten.
Es gibt die Schauspieler.
Und es gibt die Seiltänzer. – S. 104

Bis an diese Stelle finde ich das Buch großartig. Leider nahm die Magie des Schnees und die träumerische Atmosphäre, die der Autor auf den ersten Seiten geschaffen hatte, stetig ab. Zahlreiche doch eher unglaubwürdige Zufälle ziehen sich durch die Handlung und auch wenn ich ein wirklich großer Fan von Happy Ends bin – im übrigen brauche ich immer Ewigkeiten, um über offene Buchenden hinwegzukommen, was positiv, manchmal aber auch etwas anstrengend sein kann -, war ich am Ende ziemlich enttäuscht. Der Autor greift Klischees auf (eine Frau, die beim Endringen des Mannes sofort markerschütternde Schreie ausstößt – ich würde gern virtuell meine Augen verdrehen) und hebt am Ende des Buches zu sehr den moralischen Zeigefinger, um seinen Lesern zu zeigen, welches Leben das richtige und welches das falsche ist.

“Schnee” (1999) beginnt mit einer berührenden Geschichte, die voller Magie und der stetigen Suche nach Vollkommenheit steckt, verliert aber schon nach wenigen Seiten seine träumerische Atmosphäre. Zu viele Zufälle lassen die Geschichte konstruiert wirken und nehmen ihr die Leichtigkeit, die sie noch am Anfang versprüht. Ein wunderschön gestaltetes Buch, das mich sprachlich, aber nicht inhaltlich vollkommen zufriedenstellen konnte.

 

Bibliographie

Verlag: Unionsverlag
Erscheinungsdatum: 21. Juni 2016
Ersterscheinung: 1999
Übersetzer: Monika Schlitzer
112 Seiten

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Ein Monat in Büchern | Januar 2017 – Wortkulisse 31. Dezember 2017 - 14:52

[…] Schnee – Maxence Fermine […]

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