Zwei Monate in Büchern | Februar & März 2019

von Cora
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Nach fünf Monaten Praktika wohne ich nun endlich wieder Zuhause – habe meine Bücher und meine CDs und meinen ganzen Kram um mich herum. Und endlich wieder mehr Zeit, mich meinem Studium, meinen Büchern und meiner Musik zu widmen. Meine Monatsrückblicke für Februar und März habe ich zusammengelegt, da ich im Februar nicht so viel gelesen habe, dass es sich für einen einzelnen Rückblick gelohnt hätte. Deshalb hier jetzt die Bücher, die ich in den letzten zwei Monaten gelesen habe:

Über die goldfarbenen Titel gelangt ihr wie immer zu den vollständigen Rezensionen!

 

“Becoming” von Michelle Obama (2018)

Den Monat Februar begann ich mit Michelle Obamas Autobiographie „Becoming“. Michelle Obama schafft darin eine gute Mischung aus privaten Einzelheiten und intensiven Einblicken in das Leben im Weißen Haus. Ihr gelingt es darüber hinaus, ihr Leben mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Amerika zu verknüpfen. Damit stellt sie ihr Engagement und ihre Arbeit in einen größeren Zusammenhang. Natürlich haben mich auch die kleinen Anekdoten aus Michelle und Barack Obamas Beziehung interessiert. Aber nicht zuletzt war es die Verbindung von Privatem und Öffentlichem, die “Becoming” für mich so interessant und kurzweilig gemacht hat. „Becoming“ ist ein motivierendes und ermutigendes Buch – nicht nur für Frauen, sondern für alle Menschen, die etwas auf der Welt bewegen möchten.


Michelle Obama: Becoming – Meine Geschichte. Aus dem amerikanischen Englisch von Harriet Fricke, Tanja Handels, Elke Link, Andrea O’Brien, Jan Schönherr & Henriette Zeltner. Goldmann Verlag, 2018. 544 Seiten. 26 €.

 

“Die Rechte der Frau” von Olympe de Gouges (1791/2018)

Anschließend las ich “Die Rechte der Frau” von Olympe de Gouges. Olympe de Gouges verfasste die “Erklärung der Rechte der Frauen und Bürgerin” – wie der Text vollständig heißt – 1791. Kurz zuvor erließ die Französische Nationalversammlung die “Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte”. Diese beschränkte sich nur auf Männer; Frauen blieben die Rechte auf Arbeit, Freiheit und Eigentum weiterhin verwehrt. Olympe de Gouges wollte das nicht hinnehmen und entwarf deshalb einen Gegenentwurf. Die im dtv-Verlag erschienene Ausgabe enthält nicht nur den Text von Olympe de Gouges, sondern auch eine detaillierte Einleitung zum Text, einen Einblick in das Leben von Olympe de Gouges und eine historische Einordnung des Textes. Das habe ich sehr gerne und mit viel Interesse gelesen!


Olympe de Gouges: Die Rechte der Frau. Aus dem Französischen von Gisela Bock. dtv Verlag, 2018. 160 Seiten. 16 €.

 

“Asymmetrie” von Lisa Halliday (2018)

“Asymmetrie” von Lisa Halliday habe ich mir, angefixt von Cover und überzeugendem Klappentext, in Frankfurt gekauft und gleich in einem nahe gelegenen Café begonnen. Der Roman verwebt zwei ungleiche Geschichten miteinander: Im ersten Teil geht es um eine junge Frau, die davon träumt Schriftstellerin zu werden. Hals über Kopf lässt sie sich auf eine Affäre mit einem deutlich älteren Nobelpreisträger ein. Die zweite Geschichte spielt in London. Ein irakischer Dokotrant wird am Flughafen festgehalten und findet sich in einer Spirale aus Verhören und Demütigungen wider. So unterschiedlich beide Teile sind, haben sie doch beide Macht und Machtgefälle in der Gesellschaft als übergeordnetes Thema.
Leider hat mich das Buch überhaupt nicht abholen können. Die erste Geschichte hat mich bereits nach einigen Seiten gelangweilt, so beliebig und vorhersehbar fand ich die Beziehung zwischen der jungen Frau und dem alten Mann. Nichts, was ich nicht schon gelesen oder gesehen hätte. Die zweite Geschichte konnte mich dann auch nicht mehr überzeugen, obwohl ich diese sowohl sprachlich als auch thematisch deutlich besser fand. Mit einer wirklich geschickten Wendung zum Ende hin, konnte mich das Buch etwas besänftigen. Überzeugt bin ich aber immer noch nicht. Deshalb steht das Buch jetzt im Bücherschrank ums Eck und ist auch nicht auf dem Foto zu sehen.

Lisa Halliday: Asymmetrie. Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs. Hanser Verlag, 2018. 320 Seiten. 23 €.

 

“Der Filmvorführer” von Aka Morchiladze (2018)

In einem Buchladen in Frankfurt bin ich auf “Der Filmvorführer” von Aka Morchiladze gestoßen. Ich habe es kurzerhand gekauft, weil ich Cover und Papier des Buches so schön fand. “Der Filmvorführer” handelt von dem jungen Chauffeur Beso, der zu Beginn des Romans verschwindet. Er hinterlässt einen Brief, in dem er sein Leben und seine Freundschaft zum deutlich älteren Filmvorführer Islam beschreibt. Gelesen habe ich es wirklich gern, denn es hat mir Georgien ein Stück näher gebracht – einem Land, dem ich persönlich bisher eher weniger Aufmerksamkeit nicht nur in literarischer Hinsicht geschenkt habe.

Aka Morchiladze: Der Filmvorführer. Aus dem Georgischen von Iunona Guruli. Weidle Verlag, 2018. 136 Seiten. 19 €.

 

“Das Ende von Eddy” von Édouard Louis (2015)

Im März sah ich ein Interview mit dem französischen Schriftsteller Édouard Louis in einem Arte-Beitrag über die Gelbwesten-Proteste in Frankreich. Angeregt durch seine Worte und seine differenzierte Sichtweise habe ich mir den  Debütroman des Schriftstellers “Das Ende von Eddy” sowie sein aktuelles Buch “Wer hat meinen Vater umgebracht” gekauft. Innerhalb von vier Tagen habe ich beide Bücher verschlungen.
Der Schriftsteller Édouard Louis scheint sich in “Das Ende von Eddy” von seiner Kindheit in der französischen Provinz losreißen zu wollen. Es ist eine Kindheit, die alles andere als behütet war: Denn der homosexuelle Édouard Louis, der eigentlich Eddy Bellegueule heißt, wächst in einer armen und homophoben Nachbarschaft auf. Dort stößt der Junge schon früh auf Ablehnung und Hass. Er passt mit seiner hohen Stimme und sensiblen Art einfach nicht in das enge Raster aus festgefahrenen Geschlechterrollen; schafft es nicht ein “echter Kerl” zu sein. Zu lesen, was Édouard Louis in seiner Kindheit aufgrund von Armut und Homophobie widerfahren ist, ist schrecklich, aber wichtig. Denn der Autor sensibilisiert seine Leser*innen nicht nur gegenüber Mobbing und Armut, sondern gibt damit auch einem Teil der Gesellschaft ein Stimme und ein Gesicht, der sonst immer übersehen und überhört wird.

Édouard Louis: Das Ende von Eddy. Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. FISCHER Taschenbuch, 2015. 208 Seiten. 11€.

 

“Wer hat meinen Vater umgebracht” von Édouard Louis (2019)

Wenn Édouard Louis schreibt, dann hat er ein klares Ziel vor Augen. Das geht schon aus seine Debürtoman, aber ganz besonders aus seinem dritten Buch “Wer hat meinen Vater umgebracht” hervor. Er möchte Aufmerksamkeit schaffen für eine soziale Schicht, die weder von den französischen Intellektuellen noch von den Politikern Frankreichs beachtet wird. Es ist eine soziale Schicht, der Édouard Louis’ Vater noch immer angehört. Auch in seinem aktuellen Buch stellt der Autor wieder seinen Vater ins Zentrum des Textes. Er dient seiner Argumentation gegen Frankreichs Sparpolitik und Klassengesellschaft. In verdichteten Szenen lässt er detailreiche Bilder aus dem Leben seines Vaters entstehen. Dabei stellt er durchaus provokante Thesen auf. Die Schuldigen sind für Édouard Louis klar: Es sind die französischen Politiker, die Politik für Reiche machen. Die Proteste in Frankreich zeigen, dass er mit seinen Anschuldigungen nicht ganz falsch liegen kann. Sprachlich hat mich das Buch stellenweise aber zum Stolpern gebracht. Ob das im französischen Original auch so gewesen wäre, weiß ich nicht.

Édouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht. Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. S. FISCHER, 2019. 80 Seiten. 16 €.

 

“Das weibliche Prinzip” von Meg Wolitzer (2018)

Dann las ich “Das weibliche Prinzip” von Meg Wolitzer. Darin sucht die intelligente Studentin Greer Kadetsky am College ihren Platz im Leben. Zwischen Ikonen der Popkultur und feministischen Blogs gelingt es der jungen Frau jedoch nicht, zu sich selbst zu finden. Erst als Greer eines Abends einen Vortrag der berühmten Feministin Faith Frank besucht, spürt sie auf einmal, wohin sie in ihrem Leben möchte. Denn Faith Frank ist die Frau, die Greer gern einmal werden würde: klug, selbstbewusst, schlagfertig und erfolgreich in dem, was sie tut. Fast dreimal so alt wie Greer ist Faith in ihrem Markenzeichen, den hohen Wildlederstiefeln, noch immer eine beeindruckende und sexy Erscheinung, seit sie in den 70er Jahren mit ihrem Manifest “Das weibliche Prinzip” berühmt und zu einer Leitfigur der Frauenbewegung geworden ist. Greer Kadetsky geht ihren Weg, arbeitet sogar in Faith Franks Stiftung – aber dann muss sie feststellen, dass auch Faith Frank nur ein Mensch und schon gar nicht fehlerfrei ist.

Meg Wolitzer: Das weibliche Prinzip. Aus dem amerikanischen Englischen von Henning Ahrens. DuMont 2018. 496 Seiten. 24 €.

 

Mein aktuelles Buch: “Bitch Doktrin” von Laurie Penny

 

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2 Kommentare
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2 Kommentare

Theresia 12. April 2019 - 17:13

Hallo! Ich bin eben über deinen Blog gestolpert und finde ihn echt klasse! Tolle Rezensionen und mir gefällt dein Büchergeschmack sehr. So ich bin mal weiterstöbern 😀
Viele Grüße!

Reply
Cora 18. April 2019 - 09:29

Liebe Theresia, ich danke dir sehr. Wünsche dir viel Spaß beim Stöbern!

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