Ein Monat in Büchern | Mai 2019

von Cora
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Im Mai ging bei mir einiges drunter und drüber und ich konnte nicht so viel lesen, wie ich gerne getan hätte. Wir sind zwar schon im Juli, aber dennoch möchte ich euch noch die Bücher zeigen, die ich im Mai gelesen habe: Zunächst habe ich “Die letzten Tage des Patriarchats” von Margarete Stokowski beendet. Vielleicht nicht mit dem selben Aha-Moment wie ihr Debüt “Untenrum frei”, aber dennoch mit dem gleichen Genuss ihres sarkastischen und treffsicheren Schreibstils. Mit “Winterjournal” von Paul Auster und dem schmalen Büchlein “Briefe an einen jungen Dichter” von Rainer Maria Rilke habe ich zudem zwei Bücher gelesen, die sich mehr oder weniger um das Schriftstellerdasein drehen. Eine Extraportion Inspiration mit im Gepäck konnte ich dann beschwingt in den Juni starten:

Über die goldfarbenen Titel gelangt ihr wie immer zu den vollständigen Rezensionen:

 

“Die letzten Tage des Patriarchats” von Margarete Stokowski (2018)

Wenn Margarete Stokowski eines kann, dann ihre alltäglichen Beobachtungen in streitlustigen Kolumnen mit Politik zu verbinden. Nachdem Margarete Stokowski vier Jahre lang für die taz geschrieben hat, wechselte sie 2015 als Kolumnistin zu Spiegel Online. Dort erscheint wöchentlich ihre Kolumne “Oben und unten”, die – na klar – feministisch ist, sich aber um ein großes diverses Themenspektrum dreht. Für “Die letzten Tage des Patriarchats” hat Margarete Stokowski 75 dieser Texte überarbeitet, kommentiert und mit einem Vorwort ergänzt. Margarete Stokowski liebt die provokante Auseinandersetzung mit aktuellen Debatten, die manchmal vielleicht etwas rotzig daherkommt, aber argumentativ und an Humor unschlagbar ist. Sie beschäftigt sich mit Pornographie, Rassismus, Medienkritik und Frauenkörpern, mit #MeToo, der Kölner Silvesternacht und der Missachtung von Elena Ferrantes Privatsphäre. Dabei nimmt sie mit Vorliebe Aussagen von Politiker*innen und Kolleg*innen auseinander. Obwohl sich einige Kolumnen inhaltlich überschneiden, wird das Lesen nie langweilig. Denn die Texte sind nicht nur unterhaltsame Lehreinheiten über den modernen Feminismus, sondern auch Zeitdokumente auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Der allerletzte Tag des Patriarchats kann nun gerne anbrechen.

Margarete Stokowski: Die letzten Tage des Patriarchats. Rowohlt Verlag 2018. 320 Seiten. 20 €.

 

“Briefe an einen jungen Dichter” von Rainer Maria Rilke (1929)

1903 wendet sich Franz Xavier Kappus mit einem Brief an Rainer Maria Rilke. Kappus verehrt den berühmten Schriftsteller, legt dem Brief einige seiner lyrischen Versuche bei und bittet Rilke um sein Urteil. Rainer Maria Rilke antwortet – anders als erwartet. Denn anstatt seine literarischen Versuche zu kritisieren, gibt Rilke dem nur wenige Jahre jüngeren Kappus Ratschläge fürs Leben. Ausgehend von diesem Brief entspinnt sich ein fünf Jahre andauernder Briefwechsel, in dem Rainer Maria Rilke neun weitere Briefe verfasst. Diese “Briefe an einen jungen Dichter” – herausgegeben mit einem Vorwort von Ulrich Baer und Franz Xavier Kappus – sind Zeugnisse einer Lebenseinstellung, die Kontemplation, Reflexion und Veränderung zu den zentralen Elementen eines guten Lebens machen. Er beantwortet Fragen, die wohl für jeden jungen Menschen in jeder Generation von zermürbender Bedeutung sind und zeigt, dass wir ganz unabhängig von Ideologien und Religion unseren Platz in der Welt finden können. Die Briefe sind von beeindruckender Tiefe und lassen den Leser*innen nicht nur Rilke, sondern im Endeeffekt auch sich selbst näherkommen.

Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter. insel taschenbuch 2019. 78 Seiten. 9 €.

 

“Winterjournal” von Paul Auster (2015)

Paul Auster und Siri Hustvedt sind zwei faszinierende Menschen und Schriftsteller*innen. Glücklicherweise geben sowohl Paul Auster als auch seine Frau Siri Hustvedt in ihren literarischen Werken immer wieder Einblick in ihre Leben und Gedanken. So auch “Winterjournal”, in dem Paul Auster sein Leben reflektiert. Er berichtet aus seinem Leben nicht chronologisch, sondern greift einzelne Erinnerungen auf, die durch bestimmte Orte oder Situationen hervorgerufen werden. Wie die Protagonisten seiner Roman, wird Paul Auster in “Winterjournal” selbst zum Suchenden. Dabei wirkt der Text wie ein langes Selbstgespräch, das darüberhinaus unendlich persönlich ist. Denn Paul Auster schreibt nicht über sich als Schriftsteller, sondern über sich als Mensch. Er erinnert sich an seine erste Liebe, seine Jahre in Frankreich, seine Scheidung und die über dreißig Jahre lang währende Liebe zu seiner zweiten Ehefrau Siri Hustvedt. Paul Auster kommt in “Winterjournal” seinen Leser*innen sehr nah und weckt die Lust, sein literarisches Werk bis zur letzten Seite zu verschlingen. Ich habe auf jeden Fall Lust auf mehr!

“Du denkst, das wird dir niemals passieren, das kann dir niemals passieren, du sist der einzige Mensch auf der Welt, dem nichts von alldem jemals passieren wird, und dann geht es los, und eins nach dem anderen passiert dir all das genau so, wie es jedem anderen passiert – S. 7

Paul Auster: Winterjournal. Aus dem Englischen von Werner Schmitz. rororo 2015. 256 Seiten. 10,99 €.

 

Mein aktuelles Buch: “Die Vegetarierin” von Han Kang

 

Auf Instagram @wortkulisse

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2 Kommentare

Mikka Gottstein 23. Juli 2019 - 13:17

Hallo,

vielleicht sind es im Mai bei dir nicht sehr viele Bücher gewesen, dafür aber sehr interessante! Von Paul Auster habe ich vor vielen Jahren “Mr. Vertigo” gelesen und das Buch hat mich sehr beeindruckt. Eigentlich habe ich mir immer mal wieder vorgenommen, mehr von ihm zu lesen, und hier liegen auch noch zwei Bücher von ihm und warten… “Winterjournal” möchte ich auf jeden Fall noch lesen.

LG,
Mikka

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Cora 24. Juli 2019 - 19:26

Liebe Mikka,
das stimmt! Es sind wenige Bücher, aber dafür habe ich alle drei sehr gemocht. Mr. Vertigo habe ich bereits in meinem Regal stehen. Klasse, dass es dir gefallen hat. Dann freue ich mich umso mehr darauf 🙂
Liebe Grüße!

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